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Abnehmen ohne Diät

Dr. Constanze Lohse
über den Weg zum Wohlfühlgewicht
ganz ohne Diätstress

Dr. Constanze Lohse ist Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg, spezialisiert auf Prävention, und bekannt als TV-Ärztin und Buchautorin. Sie erklärt, warum klassische Diäten scheitern müssen und wie Sie Ihren Körper stattdessen zur natürlichen Fettverbrennung zurückführen.
Hören Sie auf zu hungern. Ihr Körper ist nicht Ihr Feind, den Sie bekämpfen müssen. Geben Sie ihm, was er wirklich braucht, und das Übergewicht wird von ganz alleine weichen – nachhaltig.
1
Sattessen an Gemüse: Das Volumen-Prinzip
Warum: Der Magen meldet Sättigung vor allem über Dehnung, nicht über Kalorien. Gemüse hat ein großes Volumen bei minimaler Kaloriendichte und liefert wichtige Ballaststoffe, die lange satt halten.
Wie: Die Hälfte des Tellers muss Gemüse oder Salat sein.
KONKRET
Essen Sie vor der Hauptmahlzeit immer einen großen Salat oder eine Gemüsesuppe. Füllen Sie dann den Teller erst mit Gemüse, dann mit Protein, und erst zum Schluss mit Beilagen wie Reis oder Nudeln.
2
Protein zu jeder Mahlzeit: Der Sättigungs-König
Warum: Eiweiß sättigt von allen Makronährstoffen am besten und am längsten. Zudem schützt es die Muskelmasse während der Abnahme und kurbelt den Stoffwechsel an (thermischer Effekt).
Wie: Eine handtellergroße Portion Protein pro Mahlzeit.
KONKRET
Starten Sie schon morgens mit Quark, Eiern oder Lachs statt nur mit Marmeladenbrot. Integrieren Sie mittags und abends Hülsenfrüchte, Fisch, mageres Fleisch oder Tofu.
3
Keine flüssigen Kalorien: Die heimliche Falle
Warum: Getränke wie Säfte, Softdrinks, gesüßter Kaffee oder Alkohol liefern massiv Zucker und Kalorien, lösen aber kein Sättigungsgefühl aus. Sie rauschen einfach durch und lassen den Insulinspiegel explodieren.
Wie: Trinken Sie nur Wasser, ungesüßten Tee oder schwarzen Kaffee.
KONKRET
Ersetzen Sie den Orangensaft am Morgen durch eine echte Orange (die hat Ballaststoffe!). Trinken Sie zum Essen immer ein großes Glas Wasser.
4
Essenspausen einhalten: Insulin muss sinken
Warum: Solange Insulin im Blut ist (nach dem Essen), ist die Fettverbrennung blockiert. Wer ständig snackt, hält den Insulinspiegel chronisch hoch und kann kein Körperfett abbauen.
Wie: 3 echte Mahlzeiten, keine Snacks dazwischen.
KONKRET
Lassen Sie mindestens 4-5 Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten. Wenn Sie Hunger bekommen, trinken Sie erst einen Tee oder ein Glas Wasser.
5
Achtsam essen & gut kauen: Die 20-Minuten-Regel
Warum: Das Sättigungssignal vom Magen zum Gehirn braucht etwa 20 Minuten. Wer schlingt, hat längst zu viel gegessen, bevor er merkt, dass er satt ist.
Wie: Legen Sie das Besteck nach jedem Bissen ab.
KONKRET
Essen Sie ohne Ablenkung – kein Handy, kein TV. Konzentrieren Sie sich auf Geschmack und Konsistenz. Kauen Sie jeden Bissen mindestens 20-30 Mal.
6
Gesunde Fette nicht streichen: Wichtig für Hormone
Warum: Die "Low Fat"-Ära ist vorbei. Gesunde Fette (Omega-3) sind essenziell für den Hormonhaushalt, die Zellgesundheit und machen zudem lange satt, ohne den Blutzucker zu beeinflussen.
Wie: Moderate Mengen an hochwertigen Ölen, Nüssen, Avocado.
KONKRET
Nutzen Sie Olivenöl für den Salat, essen Sie eine halbe Avocado zum Frühstück oder eine kleine Handvoll Walnüsse als Topping. Vermeiden Sie aber frittierte Fette (Transfette).
7
Ballaststoffe erhöhen: Der Darm-Booster
Warum: Ballaststoffe quellen im Magen auf, machen satt, verlangsamen die Zuckeraufnahme und füttern die guten Darmbakterien, die beim Abnehmen helfen.
Wie: Vollkorn statt Weißmehl, Leinsamen, Flohsamenschalen.
KONKRET
Mischen Sie einen Esslöffel geschrotete Leinsamen oder Chiasamen in Ihren Joghurt. Wählen Sie immer die Vollkornvariante bei Brot und Nudeln.
8
Selbst kochen statt Fertigprodukte: Kontrolle zurückgewinnen
Warum: Fertigprodukte sind oft voll mit verstecktem Zucker, Salz und ungesunden Fetten, um Geschmack zu erzeugen. Sie machen süchtig, aber nicht satt.
Wie: Kochen Sie aus Grundzutaten.
KONKRET
Bereiten Sie am Wochenende größere Portionen vor ("Meal Prep"), damit Sie unter der Woche nicht auf den Lieferdienst angewiesen sind. Eine einfache Gemüsepfanne mit Hähnchen ist in 15 Minuten fertig.
9
Tellergröße anpassen: Optische Täuschung
Warum: Unser Gehirn lässt sich austricksen. Eine normale Portion auf einem riesigen Teller wirkt klein, auf einem kleinen Teller wirkt sie üppig. Das beeinflusst das Sättigungsgefühl.
Wie: Nutzen Sie kleinere Teller (z.B. Frühstücksteller) für Hauptmahlzeiten.
KONKRET
Servieren Sie das Abendessen auf kleineren Tellern. Sie werden automatisch weniger auftun, sich aber trotzdem zufrieden fühlen, weil der Teller voll aussieht.
10
Emotionales Essen erkennen: Hunger vs. Appetit
Warum: Oft essen wir nicht aus körperlichem Hunger, sondern aus Stress, Langeweile, Frust oder zur Belohnung. Das sind überflüssige Kalorien.
Wie: Machen Sie den "Brokkoli-Test".
KONKRET
Fragen Sie sich vor dem Snack: "Würde ich jetzt auch rohen Brokkoli essen?" Wenn nein, ist es kein echter Hunger, sondern Appetit. Suchen Sie eine andere Strategie (Spaziergang, Anruf, Bad).
1
Schlaf ist der beste Fatburner: Hormon-Balance
Warum: Zu wenig Schlaf erhöht das Hungerhormon Ghrelin und senkt das Sättigungshormon Leptin. Man hat automatisch mehr Hunger auf Süßes und Fettiges. Zudem findet Fettabbau vor allem nachts statt.
Wie: Priorisieren Sie 7-8 Stunden Schlaf pro Nacht.
KONKRET
Gehen Sie rechtzeitig ins Bett. Ein guter Schlaf ist effektiver als jede Diätpille.
2
Alltagsbewegung erhöhen (NEAT): Der unterschätzte Faktor
Warum: NEAT (Non-Exercise Activity Thermogenesis) ist die Energie, die wir durch unbewusste Bewegungen im Alltag verbrennen. Das macht oft mehr aus als der Sport.
Wie: Treppe statt Aufzug, zu Fuß gehen, Gartenarbeit.
KONKRET
Parken Sie weiter weg, steigen Sie eine Station früher aus, telefonieren Sie im Stehen. Ziel: 10.000 Schritte am Tag.
3
Krafttraining für den Grundumsatz: Muskeln verbrennen Fett
Warum: Muskeln sind stoffwechselaktives Gewebe. Je mehr Muskeln Sie haben, desto höher ist Ihr Grundumsatz – Sie verbrennen also auch im Schlaf mehr Kalorien. Cardio allein reicht nicht.
Wie: 2-3 Mal pro Woche Ganzkörper-Krafttraining.
KONKRET
Sie brauchen kein Fitnessstudio. Eigengewichtsübungen wie Kniebeugen, Liegestütze und Ausfallschritte sind sehr effektiv.
4
Stressmanagement: Cortisol macht dick
Warum: Chronischer Stress erhöht das Hormon Cortisol. Cortisol fördert die Fetteinlagerung, besonders am Bauch (Viszeralfett), und hemmt den Muskelaufbau.
Wie: Aktive Entspannung einplanen.
KONKRET
Finden Sie Ihren Stressausgleich: Meditation, Yoga, Spaziergänge im Wald oder einfach mal "Nein" sagen. 10 Minuten täglich reichen.
5
Kalt duschen / Eisbaden: Braunes Fett aktivieren
Warum: Kältereize aktivieren das "braune Fettgewebe". Dieses Gewebe verbrennt Energie (weißes Fett), um Körperwärme zu erzeugen.
Wie: Beenden Sie die Dusche kalt.
KONKRET
Fangen Sie langsam an: Duschen Sie am Ende 30 Sekunden lang Beine und Arme kalt ab. Steigern Sie sich langsam auf den ganzen Körper.
6
Intervallfasten (z.B. 16:8): Stoffwechsel-Pause
Warum: Längere Essenspausen (z.B. 16 Stunden) senken den Insulinspiegel tief ab und fördern die Autophagie (Zellreinigung). Der Körper lernt wieder, auf eigene Fettreserven zuzugreifen.
Wie: Frühstück weglassen oder Abendessen vorziehen.
KONKRET
Versuchen Sie, zwischen der letzten Mahlzeit des Vortages und der ersten des nächsten Tages 14-16 Stunden Pause zu lassen (z.B. 20 Uhr bis 12 Uhr).
7
Realistische Ziele setzen: Geduld statt Frust
Warum: Wer "10 kg in 4 Wochen" erwartet, wird scheitern und aufgeben. Nachhaltige Abnahme braucht Zeit, damit der Körper und die Haut mitkommen.
Wie: 0,5 kg pro Woche ist ein gesundes Ziel.
KONKRET
Feiern Sie kleine Erfolge (die Hose sitzt lockerer, mehr Energie), nicht nur die Zahl auf der Waage.
8
Waage nicht überbewerten: Körperzusammensetzung zählt
Warum: Wenn Sie Sport machen, bauen Sie Muskeln auf. Muskeln wiegen mehr als Fett. Das Gewicht kann gleich bleiben, obwohl Sie schlanker werden.
Wie: Maßband und Fotos statt nur Waage.
KONKRET
Messen Sie einmal pro Woche Ihren Bauchumfang. Machen Sie monatlich ein Foto in gleicher Kleidung. Das zeigt den Fortschritt besser als die Waage.
9
Geduld und Selbstmitgefühl: Rückschläge sind normal
Warum: Perfektionismus ist der Feind. Wenn Sie einmal "gesündigt" haben, werfen Sie nicht gleich alles hin ("Jetzt ist es eh egal").
Wie: 80/20 Regel.
KONKRET
Wenn Sie 80% der Zeit gesund essen, schaden die 20% Ausnahmen nicht. Seien Sie nett zu sich selbst, wenn es mal nicht klappt, und machen Sie bei der nächsten Mahlzeit einfach weiter.
10
Vorbereitung ist alles (Meal Prep): Fallen vermeiden
Warum: Ungesunde Entscheidungen treffen wir meist, wenn wir hungrig und unvorbereitet sind.
Wie: Planen und Vorkochen.
KONKRET
Schreiben Sie einen Wochenplan. Kochen Sie Reis, Quinoa oder Gemüse für mehrere Tage vor. Haben Sie immer gesunde Notfall-Snacks (Nüsse, Apfel) dabei.
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Zu wenig essen (Hungerstoffwechsel): Der Jojo-Garant
Das Problem: Wer drastisch Kalorien einspart (unter Grundumsatz), zwingt den Körper in den Notfallmodus. Er baut Muskeln ab und senkt den Energieverbrauch. Sobald man normal isst, speichert er alles als Fett.
Die Lösung: Ein moderates Defizit (max. 300-500 kcal).
KONKRET
Essen Sie sich an Gemüse und Protein satt. Hungern ist verboten.
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Light-Produkte verwenden: Die Zuckerfalle
Das Problem: Wenn Fett reduziert wird, wird oft Zucker oder Stärke zugefügt, damit es schmeckt. Zudem sättigen fettarme Produkte schlechter.
Die Lösung: Vollfett-Varianten in Maßen.
KONKRET
Nehmen Sie den normalen Joghurt (3,5%) statt den Magerjoghurt (0,1%) mit Fruchtgeschmack (=Zucker). Er schmeckt besser und macht satter.
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Nur Cardio, kein Krafttraining: "Skinny Fat"
Das Problem: Exzessives Ausdauertraining ohne Krafttraining kann zum Abbau von Muskelmasse führen, besonders im Kaloriendefizit. Der Körper wird zwar leichter, aber nicht straffer, und der Grundumsatz sinkt.
Die Lösung: Gewichte heben.
KONKRET
Integrieren Sie 2x pro Woche Kraftübungen, um die Muskeln zu erhalten und den Stoffwechsel zu pushen.
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Gesunde Lebensmittel "überessen": Auch Nüsse haben Kalorien
Das Problem: Nüsse, Avocado, Olivenöl und dunkle Schokolade sind gesund, aber sehr kaloriendicht. Wer davon gedankenlos viel isst, nimmt nicht ab.
Die Lösung: Portionen im Auge behalten.
KONKRET
Eine Portion Nüsse ist eine kleine geschlossene Handvoll (ca. 30g), nicht die ganze Tüte vor dem Fernseher.
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Süßstoffe als Ersatz: Der Heißhunger-Trigger
Das Problem: Kalorienfreie Süßstoffe (Aspartam, Sucralose etc.) können bei manchen Menschen den Appetit anregen und die Darmflora ungünstig beeinflussen. Das Verlangen nach Süßem bleibt bestehen.
Die Lösung: Süßgeschmack entwöhnen.
KONKRET
Versuchen Sie, den süßen Geschmack generell zu reduzieren, statt ihn nur zu ersetzen. Nutzen Sie lieber sparsam etwas Honig oder Ahornsirup.
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Mahlzeiten auslassen: Der Bumerang-Effekt
Das Problem: Wer das Frühstück oder Mittagessen ausfallen lässt, um Kalorien zu sparen, baut einen enormen Heißhunger auf. Abends werden dann unkontrolliert alle eingesparten Kalorien (und mehr) nachgeholt.
Die Lösung: Regelmäßig essen.
KONKRET
Essen Sie regelmäßig, um den Blutzucker stabil zu halten. Das verhindert abendliche Fressattacken.
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Zu viel Obst essen: Fruktose ist auch Zucker
Das Problem: Obst ist gesund, enthält aber Fruchtzucker (Fruktose). Zu viel Fruktose kann die Leber belasten und die Fettverbrennung hemmen, besonders bei süßem Obst wie Weintrauben oder Bananen.
Die Lösung: Gemüse priorisieren, Beeren bevorzugen.
KONKRET
Beschränken Sie Obst auf 1-2 Portionen am Tag. Greifen Sie lieber zu zuckerarmen Beeren (Himbeeren, Heidelbeeren) statt zu Weintrauben.
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Wochenende als "Cheat Days" missbrauchen: Alles zunichte machen
Das Problem: Wer sich unter der Woche kasteit und am Wochenende hemmungslos schlemmt ("Cheat Weekend"), macht das gesamte Wochendefizit oft in zwei Tagen zunichte.
Die Lösung: Balance statt Extreme.
KONKRET
Gönnen Sie sich lieber eine bewusste "Cheat Meal" (eine Mahlzeit), statt das ganze Wochenende eskalieren zu lassen.
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Nur auf die Waage starren: Falscher Fokus
Das Problem: Das Gewicht schwankt täglich durch Wasser, Darminhalt und Hormone. Wer sich täglich wiegt, macht sich verrückt und verliert die Motivation bei Stillstand.
Die Lösung: Andere Fortschrittsmarker nutzen.
KONKRET
Wiegen Sie sich maximal einmal pro Woche. Achten Sie mehr darauf, wie die Kleidung sitzt und wie Ihr Energielevel ist.
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Alles alleine machen wollen: Fehlende Unterstützung
Das Problem: Abnehmen ist schwer, wenn das Umfeld nicht mitzieht (Partner isst Chips auf dem Sofa). Soziale Isolation ist keine Lösung.
Die Lösung: Verbündete suchen.
KONKRET
Weihen Sie Familie und Freunde ein. Suchen Sie sich einen Abnehm-Buddy oder eine Gruppe. Gemeinsam fällt es leichter, dranzubleiben.