Dr. Constanze Lohse
über die richtige Ernährung
bei hohem
Cholesterin
Dr. Constanze Lohse ist Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg,
spezialisiert auf Prävention, und bekannt als TV-Ärztin und
Buchautorin. Sie erklärt, wie Sie Ihr Lipidprofil durch gezielte
Ernährung verbessern, das "gute" HDL steigern und das "schlechte" LDL
senken können, ohne komplett auf Genuss zu verzichten.
Cholesterin ist lebenswichtig, aber das Gleichgewicht muss stimmen.
Mit der richtigen Ernährung können Sie Ihre Gefäße aktiv vor
Ablagerungen schützen.
1
Der Schwamm-Effekt:
Beta-Glucan aus Hafer
1
Der Schwamm-Effekt:Beta-Glucan aus Hafer
Warum: Hafer und Gerste
enthalten den löslichen Ballaststoff Beta-Glucan. Dieser
bildet im Darm ein Gel, das cholesterinhaltige Gallensäuren
bindet und über den Stuhl ausscheidet. Um neue Gallensäure zu
bilden, muss die Leber Cholesterin aus dem Blut abziehen – der
Spiegel sinkt.
Wie: Essen Sie täglich ca.
40-80g Haferflocken oder Haferkleie.
KONKRET
Starten Sie den Tag mit einem Porridge (warmem Haferbrei) oder
Overnight Oats. Mischen Sie Haferkleie (hat noch mehr
Beta-Glucan als Flocken) zusätzlich in Ihren Joghurt.
2
Pflanzensterine:
Die natürlichen Blocker
2
Pflanzensterine:Die natürlichen Blocker
Warum: Phytosterine
(Pflanzensterine) haben eine ähnliche chemische Struktur wie
Cholesterin. Sie besetzen im Darm die "Transport-Plätze",
sodass weniger echtes Nahrungscholesterin ins Blut aufgenommen
werden kann.
Wie: Eine Dosis von 2g pro Tag
kann das LDL um bis zu 10% senken.
KONKRET
Pflanzensterine stecken in Nüssen, Kernen und Pflanzenölen. Es
gibt auch angereicherte Margarine oder Joghurtdrinks
("cholesterinsenkend"), die bei sehr hohen Werten als
Ergänzung sinnvoll sein können.
3
Gute Fette wählen:
Ungesättigt statt gesättigt
3
Gute Fette wählen:Ungesättigt statt gesättigt
Warum: Gesättigte Fettsäuren
(in Butter, Sahne, fettem Fleisch, Kokosöl) erhöhen das
LDL-Cholesterin, weil sie die Rezeptoren in der Leber
blockieren, die das Cholesterin abbauen sollen. Ungesättigte
Fettsäuren halten diese Rezeptoren aktiv.
Wie: Tauschen Sie tierische
Fette konsequent gegen pflanzliche aus.
KONKRET
Braten Sie mit Rapsöl statt Butter. Nutzen Sie Olivenöl für
Salate. Belegen Sie das Brot mit Avocado oder Nussmus statt
mit Wurst und Käse.
4
Zuckerfalle Triglyceride:
Nicht nur auf Fett
achten
4
Zuckerfalle Triglyceride:Nicht nur auf Fett achten
Warum: Wenn wir mehr Zucker
(besonders Fruktose) und schnelle Kohlenhydrate essen, als wir
verbrennen, wandelt die Leber den Überschuss in Triglyceride
(Neutralfette) um. Hohe Triglyceride senken das gute HDL und
machen das LDL aggressiver ("kleine, dichte LDL-Partikel").
Wie: Reduzieren Sie Zucker,
Weißmehl, Süßigkeiten und Alkohol drastisch.
KONKRET
Ersetzen Sie Softdrinks und Säfte durch Wasser. Meiden Sie
Produkte mit zugesetztem Fruktosesirup. Ein hoher
Triglyceridwert ist oft ein Zeichen für zu viele "leere
Kohlenhydrate", nicht zu viel Fett.
5
Omega-3-Power:
Gefäßschutz aus dem Meer
5
Omega-3-Power:Gefäßschutz aus dem Meer
Warum: Omega-3-Fettsäuren
(EPA/DHA) senken effektiv die Triglyceride und wirken
entzündungshemmend an den Gefäßwänden. Sie verbessern die
Fließeigenschaften des Blutes und schützen vor
Arteriosklerose.
Wie: 2x pro Woche fetten
Seefisch (Lachs, Makrele, Hering) oder Algenöl.
KONKRET
Wenn Sie keinen Fisch mögen: Nehmen Sie täglich 1-2 Esslöffel
hochwertiges Algenöl (oder Kapseln). Leinöl ist gut, enthält
aber nur die Vorstufe ALA, die der Körper schlecht umwandeln
kann.
6
Nüsse als Medizin:
Walnüsse und Mandeln
6
Nüsse als Medizin:Walnüsse und Mandeln
Warum: Nüsse enthalten eine
perfekte Mischung aus ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen
und Pflanzensterinen. Studien zeigen, dass eine Handvoll Nüsse
täglich das LDL-Cholesterin signifikant senken kann.
Wie: Eine Handvoll (ca. 30g)
ungesalzene Nüsse pro Tag.
KONKRET
Walnüsse sind besonders gut wegen ihres Omega-3-Gehalts.
Mandeln haben viel Vitamin E (Zellschutz). Essen Sie sie als
Snack oder über dem Salat, aber achten Sie auf die Menge
(Kalorien!).
7
Olivenöl nutzen:
Das Mittelmeer-Geheimnis
7
Olivenöl nutzen:Das Mittelmeer-Geheimnis
Warum: Olivenöl (Extra
Vergine) ist reich an einfach ungesättigten Fettsäuren und
Polyphenolen. Es senkt das LDL, ohne das gute HDL zu senken,
und schützt das LDL vor Oxidation (was es erst gefährlich
macht).
Wie: Nutzen Sie es großzügig
für kalte Gerichte und mäßig zum Dünsten.
KONKRET
Machen Sie den Qualitätstest: Gutes Olivenöl muss beim
Schlucken leicht im Hals kratzen ("Hustenreiz"). Dieses
Kratzen kommt von den gesunden Polyphenolen.
8
Hülsenfrüchte:
Bohnen statt Braten
8
Hülsenfrüchte:Bohnen statt Braten
Warum: Linsen, Erbsen und
Bohnen sind reich an löslichen Ballaststoffen und pflanzlichem
Eiweiß. Wer tierisches Protein durch pflanzliches ersetzt,
senkt automatisch die Zufuhr von gesättigten Fetten und
Cholesterin.
Wie: Planen Sie 2-3
fleischlose Tage pro Woche ein.
KONKRET
Ein Linseneintopf oder Kichererbsen-Curry sättigt hervorragend
und hält den Blutzucker stabil. Die enthaltenen Saponine
binden zusätzlich Cholesterin im Darm.
9
Soja integrieren:
Pflanzliche Proteine
9
Soja integrieren:Pflanzliche Proteine
Warum: Sojaprotein hat
nachweislich einen cholesterinsenkenden Effekt. Es kann die
Leber dazu anregen, mehr LDL aus dem Blut zu entfernen.
Wie: Tofu, Edamame oder
Sojamilch (ungesüßt).
KONKRET
Tauschen Sie Fleisch in Pfannengerichten gegen Räuchertofu
aus. Er ist würzig, fest und eine hervorragende Eiweißquelle
ohne das begleitende Cholesterin von Fleisch.
10
Grüner Tee:
Antioxidantien trinken
10
Grüner Tee:Antioxidantien trinken
Warum: Die Katechine im grünen
Tee können die Aufnahme von Cholesterin im Darm hemmen und die
LDL-Werte leicht senken. Zudem schützen sie die Gefäße vor
Oxidation.
Wie: 2-3 Tassen täglich.
KONKRET
Lassen Sie den Tee nicht zu lange ziehen (max. 2-3 Minuten),
sonst wird er bitter. Trinken Sie ihn ohne Zucker. Matcha ist
noch konzentrierter in der Wirkung.
TOP 10 TIPPS LIFESTYLE
1
Ausdauersport:
Das HDL-Booster-Programm
1
Ausdauersport:Das HDL-Booster-Programm
Warum: Ausdauertraining ist
die effektivste Methode, um das "gute" HDL-Cholesterin zu
erhöhen, welches Cholesterin aus den Gefäßen zur Leber
zurücktransportiert. Ernährung allein schafft das kaum.
Wie: 3-4 Mal pro Woche 30-45
Minuten (Joggen, Walken, Radfahren).
KONKRET
Die Intensität muss nicht extrem sein. "Laufen ohne zu
Schnaufen" ist ideal, um den Fettstoffwechsel zu aktivieren,
ohne den Körper zu stressen.
2
Stress reduzieren:
Stress erhöht die Blutfette
2
Stress reduzieren:Stress erhöht die Blutfette
Warum: Bei Stress schüttet
der Körper Adrenalin und Cortisol aus. Diese Hormone
mobilisieren Fettreserven ins Blut, um Energie
bereitzustellen. Werden diese nicht "verbraucht" (durch
Bewegung), bleiben LDL und Triglyceride hoch.
Wie: Entspannungstechniken
(Yoga, Meditation).
KONKRET
Bauen Sie täglich kleine Pausen ein. 5 Minuten tiefes Atmen
am Arbeitsplatz können den Cortisolspiegel bereits senken.
3
Bauchumfang reduzieren:
Das gefährliche
Viszeralfett
3
Bauchumfang reduzieren:Das gefährliche Viszeralfett
Warum: Das Fett im Bauchraum
(viszeral) ist metabolisch hochaktiv und setzt ständig
Fettsäuren ins Blut frei, die direkt zur Leber fließen und
dort zu VLDL (Vorstufe von LDL) umgebaut werden.
Wie: Streben Sie einen
Bauchumfang unter 94 cm (Männer) bzw. 80 cm (Frauen) an.
KONKRET
Messen Sie Ihren Bauchumfang, nicht nur das Gewicht. Schon
eine Gewichtsabnahme von 5-10% verbessert die Lipidwerte
drastisch.
4
Rauchstopp:
Schutz für das HDL
4
Rauchstopp:Schutz für das HDL
Warum: Rauchen senkt den
Spiegel des "guten" HDL-Cholesterins und schädigt die
Gefäßwände, wodurch sich LDL leichter ablagern kann. Es ist
ein Brandbeschleuniger für Arteriosklerose.
Wie: Aufhören ist die
wichtigste Einzelmaßnahme.
KONKRET
Schon wenige Wochen nach dem Rauchstopp beginnt das HDL
wieder zu steigen. Nutzen Sie professionelle Hilfe, wenn Sie
es allein nicht schaffen.
5
Schlafqualität:
Regeneration der Leber
5
Schlafqualität:Regeneration der Leber
Warum: Schlafmangel stört
den Fettstoffwechsel und erhöht das Risiko für Übergewicht
und Diabetes. Im Schlaf regeneriert sich die Leber, das
Hauptorgan für den Cholesterinstoffwechsel.
Wie: 7-8 Stunden erholsamer
Schlaf.
KONKRET
Vermeiden Sie späte, schwere Mahlzeiten. Die Leber ist
nachts mit Entgiftung beschäftigt, nicht mit Verdauung. Ein
"Leberwickel" vor dem Einschlafen kann unterstützen.
6
Krafttraining:
Muskeln als Verbrenner
6
Krafttraining:Muskeln als Verbrenner
Warum: Krafttraining
verbessert die Insulinsensitivität und hilft, Triglyceride
zu senken. Muskeln verbrennen auch in Ruhe Fett
(Nachbrenneffekt).
Wie: 2x pro Woche
Muskeltraining.
KONKRET
Kombinieren Sie Kraft- und Ausdauertraining. Das hat den
größten Effekt auf das Lipidprofil. Einfache Übungen mit dem
eigenen Körpergewicht reichen für den Anfang.
7
Intervallfasten:
Pause für den Stoffwechsel
7
Intervallfasten:Pause für den Stoffwechsel
Warum: Fastenperioden (z.B.
16:8) können helfen, die Triglyceride zu senken und die
Fettverbrennung anzukurbeln. Der Körper lernt, auf
gespeicherte Reserven zuzugreifen.
Wie: 14-16 Stunden
Essenspause über Nacht.
KONKRET
Versuchen Sie, nach 19 Uhr nichts mehr zu essen und erst um
10 oder 11 Uhr zu frühstücken. Trinken Sie in der Fastenzeit
nur Wasser, Tee oder schwarzen Kaffee.
8
Zahngesundheit:
Entzündungen im Mund
8
Zahngesundheit:Entzündungen im Mund
Warum: Chronische
Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) können systemische
Entzündungen im Körper fördern und das Risiko für
Arteriosklerose erhöhen.
Wie: Tägliche Pflege und
Zahnarzt-Check.
KONKRET
Nutzen Sie Zahnseide oder Interdentalbürsten. Eine
professionelle Zahnreinigung senkt die Bakterienlast und
kann indirekt die Herzgesundheit unterstützen.
9
Vorsorge-Check:
Werte kennen
9
Vorsorge-Check:Werte kennen
Warum: Hohes Cholesterin tut
nicht weh. Viele wissen nicht, wie ihre Werte (LDL, HDL,
Triglyceride, Lipoprotein a) aussehen.
Wie: Regelmäßiges
Lipidprofil beim Arzt.
KONKRET
Kennen Sie Ihre Zielwerte. Für Gesunde sollte das LDL unter
115 mg/dl liegen, bei Risikofaktoren deutlich niedriger
(unter 70 oder 55 mg/dl).
10
Medikamenten-Treue:
Statine nicht eigenmächtig
absetzen
10
Medikamenten-Treue:Statine nicht eigenmächtig absetzen
Warum: Wenn
Lebensstiländerungen nicht reichen, sind Medikamente nötig,
um das Herzinfarktrisiko zu senken. Statine stabilisieren
auch Plaques in den Gefäßen.
Wie: Einnahme wie verordnet.
KONKRET
Haben Sie Angst vor Nebenwirkungen (Muskelschmerzen)?
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Oft hilft ein Präparatewechsel
oder eine Dosisanpassung. Setzen Sie nie einfach ab.