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DASH-Diät

Dr. Constanze Lohse
über die blutdrucksenkende Wirkung
der DASH-Diät

Dr. Constanze Lohse ist Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg, spezialisiert auf Prävention, und bekannt als TV-Ärztin und Buchautorin. Sie erklärt, wie Sie mit der DASH-Ernährung auf natürliche Weise Ihren Blutdruck senken und gleichzeitig gesund abnehmen können.
Essen ist Medizin. Wer den Salzstreuer weglässt und stattdessen den Körper mit Kalium, Kalzium und Magnesium flutet, kann seine Gefäße entspannen und das Herz entlasten – oft besser als jede Pille.
1
Salz drastisch reduzieren: Der Gefäß-Verenger
Warum: Natriumchlorid (Kochsalz) bindet Wasser im Körper. Das erhöhte Blutvolumen zwingt das Herz, stärker zu pumpen, und die Blutgefäße verengen sich. Das treibt den Blutdruck sofort in die Höhe. DASH steht für maximale Natrium-Reduktion.
Wie: Max. 1 Teelöffel (ca. 5g) Salz pro Tag – inklusive dem Salz in Fertigprodukten.
KONKRET
Verstecken Sie den Salzstreuer. Nutzen Sie stattdessen frische Kräuter, Knoblauch, Zwiebeln und Zitronensaft, um Geschmack ins Essen zu bringen. Daran gewöhnt man sich in 2 Wochen!
2
Kalium erhöhen: Der natürliche Gegenspieler von Salz
Warum: Kalium fördert die Ausscheidung von überschüssigem Natrium über die Nieren. Außerdem entspannt es die Gefäßwände direkt, was den Blutdruck senkt. Es ist der wichtigste Mineralstoff in der DASH-Diät.
Wie: Bananen, Kartoffeln, Spinat, Tomaten.
KONKRET
Essen Sie täglich eine Banane oder bauen Sie Pellkartoffeln (sehr kaliumreich!) in Ihr Mittagessen ein. Wichtig: Kartoffeln nicht schälen, das meiste Kalium sitzt unter der Schale.
3
Magnesium: Der körpereigene Betablocker
Warum: Magnesium sorgt für die Entspannung der glatten Muskulatur in den Blutgefäßen. Wenn die Gefäße sich weiten, kann das Blut leichter fließen und der Druck sinkt. Es wirkt beruhigend auf das Herz.
Wie: Kürbiskerne, Nüsse, Haferflocken, Hülsenfrüchte.
KONKRET
Streuen Sie morgens 2 Esslöffel Kürbiskerne (die Magnesium-Könige) über Ihr Müsli oder den Quark. Ein extrem effektiver und einfacher Hebel für die Herzgesundheit.
4
Kalzium aus Milchprodukten: Kontraktion und Elastizität
Warum: Kalzium ist nicht nur für die Knochen da. Es steuert das Zusammenziehen und Entspannen der Blutgefäße. Bei DASH spielen fettarme Milchprodukte eine wichtige Rolle zur Kalzium-Versorgung.
Wie: 2-3 Portionen fettarme Milchprodukte pro Tag.
KONKRET
Essen Sie Magerquark, fettarmen Joghurt oder trinken Sie Kefir. Verzichten Sie auf fette Käsesorten wie Gouda, da diese oft extrem viel Salz enthalten, was den Nutzen zunichtemacht.
5
Gemüseberge (4-5 Portionen): Das Volumen-Geheimnis
Warum: Gemüse liefert die oben genannten Mineralien, Ballaststoffe und Antioxidantien, die die Gefäßinnenhaut (Endothel) schützen. Gleichzeitig hilft das große Volumen, ohne Kalorienzählen satt zu werden und das Gewicht zu reduzieren.
Wie: Zu jeder Mahlzeit Gemüse einplanen.
KONKRET
Die Hälfte Ihres Tellers muss mittags und abends aus Gemüse bestehen. Essen Sie abends keine Rohkost, wenn Sie danach blähen, sondern gedünstetes Gemüse (Brokkoli, Zucchini).
6
Vollkorn statt Weißmehl: Insulin flach halten
Warum: Hohe Insulinspiegel (durch Weißmehl/Zucker) veranlassen die Nieren, mehr Salz und Wasser zurückzuhalten. Das erhöht den Blutdruck! Vollkornprodukte lassen den Blutzucker nur langsam ansteigen.
Wie: Haferflocken, Naturreis, Vollkornbrot, Quinoa.
KONKRET
Tauschen Sie normale Nudeln gegen die Vollkorn-Variante. Die Ballaststoffe putzen nebenbei den Darm und senken das schlechte LDL-Cholesterin.
7
Rotes Fleisch meiden: Gefäße nicht verstopfen
Warum: Rotes Fleisch (Rind, Schwein) und besonders Wurstwaren enthalten gesättigte Fettsäuren, die Arteriosklerose (Plaques) fördern. Zudem ist Wurst eine extreme Salz- und Phosphatquelle.
Wie: Geflügel oder pflanzliche Proteine.
KONKRET
Setzen Sie auf mageres Hähnchen- oder Putenfleisch (ohne Haut). Aber am besten ersetzen Sie Fleisch durch Hülsenfrüchte (Linsen/Bohnen), die komplett cholesterinfrei sind.
8
Omega-3 aus Fisch: Der Entzündungs-Löscher
Warum: Chronische Entzündungen machen die Gefäße steif. Omega-3-Fettsäuren (EPA) löschen diese Entzündungen, senken die Triglyceride und verbessern die Fließeigenschaften des Blutes.
Wie: Fetter Seefisch oder Algenöl.
KONKRET
Essen Sie zweimal pro Woche Lachs, Hering oder Makrele. Wenn Sie keinen Fisch mögen: Ein täglicher Esslöffel hochwertiges Algenöl ist ein hervorragender Ersatz für die Gefäßgesundheit.
9
Obst als natürliche Süße: Antioxidantien pur
Warum: Die DASH-Diät empfiehlt 4-5 Portionen Obst am Tag. Obst liefert das wichtige Kalium und hunderte sekundäre Pflanzenstoffe (z.B. Flavonoide), die den Blutdruck messbar senken.
Wie: Frisches Obst statt Süßigkeiten.
KONKRET
Essen Sie einen Apfel oder eine Handvoll Beeren, wenn Sie Appetit auf etwas Süßes haben. Verzichten Sie aber auf Säfte – Ihnen fehlen die wichtigen Ballaststoffe der ganzen Frucht.
10
Gute Fette: Olivenöl und Nüsse schützen
Warum: Ungesättigte Fette erhöhen das "gute" HDL-Cholesterin, welches die Gefäße von Ablagerungen reinigt. Sie halten lange satt und verhindern Blutzuckerspitzen.
Wie: Olivenöl, Rapsöl, Walnüsse, Mandeln.
KONKRET
Nutzen Sie Olivenöl für den Salat (nicht sparen!). Essen Sie Nüsse als Snack – aber Achtung: Immer ungesalzen kaufen, sonst treiben Sie den Blutdruck wieder in die Höhe!
1
Cardio-Training: Das Herz als Muskel trainieren
Warum: Ausdauersport trainiert den Herzmuskel, effizienter zu pumpen. Gleichzeitig weiten sich die Blutgefäße, sie werden elastischer. Nach dem Sport bleibt der Blutdruck oft stundenlang gesenkt.
Wie: 30 Minuten zügiges Gehen, Joggen, Radfahren pro Tag.
KONKRET
Sie müssen keinen Marathon laufen. Ein täglicher, zügiger Spaziergang ("man kommt leicht ins Schwitzen") reicht völlig aus, um die Gefäße geschmeidig zu halten.
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Gewichtsreduktion: Die Herzlast verringern
Warum: Mehr Körpermasse (besonders Bauchfett) bedeutet mehr Gewebe, das durchblutet werden muss. Das Herz muss gegen einen höheren Widerstand arbeiten. Jedes Kilo weniger entlastet das Herz.
Wie: Moderates Kaloriendefizit durch DASH.
KONKRET
Schon 5 Kilo weniger senken den Blutdruck messbar. Das volumenreiche DASH-Essen (viel Gemüse) hilft Ihnen, dieses Ziel ohne Hungern zu erreichen.
3
Rauchstopp: Das absolute Gift für Gefäße
Warum: Nikotin verengt die Blutgefäße sofort (Vasokonstriktion) und treibt Puls und Blutdruck in die Höhe. Langfristig fördert Rauchen die Plaque-Bildung und macht Gefäße hart.
Wie: Sofortiger Stopp.
KONKRET
Die Kombination aus Bluthochdruck und Rauchen ist lebensgefährlich (Herzinfarkt-Risiko x10). Suchen Sie sich professionelle Hilfe für die Entwöhnung.
4
Stressmanagement: Cortisol und Adrenalin drosseln
Warum: Emotionaler Stress versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. Die Stresshormone verengen die Gefäße und lassen das Herz rasen. Dauerstress führt zu chronischem Bluthochdruck.
Wie: Entspannungstechniken.
KONKRET
Nutzen Sie "Box-Atmung" (4 Sek einatmen, 4 halten, 4 ausatmen, 4 halten). Das signalisiert dem Vagusnerv sofort Entspannung und der Druck sinkt.
5
Alkohol minimieren: Der Blutdruck-Treiber
Warum: Alkohol entspannt zwar im ersten Moment, führt aber am nächsten Tag und bei regelmäßigem Konsum zu einer massiven Erhöhung des Blutdrucks (Toxische Wirkung auf den Herzmuskel).
Wie: Absolute Zurückhaltung.
KONKRET
Beschränken Sie Alkohol auf seltene, besondere Anlässe. Kein regelmäßiges Feierabendbier. Der Verzicht ist einer der schnellsten Wege zu besseren Werten.
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Schlafqualität: Die nächtliche Erholung ("Dipping")
Warum: Nachts sinkt der Blutdruck bei gesunden Menschen um ca. 15% ab ("Dipping"), um das Herz zu schonen. Bei Schlafmangel fällt diese Erholungsphase aus.
Wie: 7-8 Stunden guter Schlaf.
KONKRET
Gehen Sie rechtzeitig ins Bett. Schalten Sie Bildschirme eine Stunde vorher ab. Guter Schlaf schützt Ihr Herz.
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Regelmäßiger Rhythmus: Die innere Uhr schonen
Warum: Blutdruck unterliegt einer Chronobiologie (Morgenspitz, Nachtsenkung). Ein unregelmäßiger Lebenswandel (Schichtarbeit, unregelmäßige Essenszeiten) verwirrt dieses System.
Wie: Möglichst konstante Tagesabläufe.
KONKRET
Essen und schlafen Sie jeden Tag etwa zur gleichen Zeit. Diese Routine gibt dem vegetativen Nervensystem Halt.
8
Blutdruck messen: Das Bio-Feedback
Warum: Man spürt Bluthochdruck oft nicht ("Silent Killer"). Erst wenn man misst, sieht man, wie sich DASH-Ernährung und Stress auf die Werte auswirken.
Wie: 2x täglich im Ruhezustand messen (anfangs).
KONKRET
Messen Sie morgens nach dem Aufwachen und abends. Führen Sie ein Tagebuch. Es ist enorm motivierend zu sehen, wie die Werte nach 3 Wochen DASH-Diät sinken.
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Aufenthalt in der Natur: Waldbaden senkt den Druck
Warum: Studien zeigen, dass allein der Aufenthalt im Grünen (Pflanzen, Bäume) den Parasympathikus (Ruhenerv) aktiviert und den Blutdruck und Puls senkt.
Wie: Raus in den Wald oder Park.
KONKRET
Verbinden Sie Ihre Bewegung (Tipp 1) mit Natur. Ein Spaziergang im Wald wirkt doppelt: Bewegung + Stressreduktion.
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Soziale Bindungen: Oxytocin als Blutdrucksenker
Warum: Positive soziale Kontakte, Berührungen und Haustiere führen zur Ausschüttung von Oxytocin. Dieses "Kuschelhormon" wirkt direkt blutdrucksenkend. Einsamkeit erhöht den Druck.
Wie: Zeit mit lieben Menschen (oder Tieren) verbringen.
KONKRET
Pflegen Sie Freundschaften. Ein netter Abend mit Freunden oder das Streicheln eines Hundes sind aktive Herzmedizin.
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Verstecktes Salz: Die größte Falle
Das Problem: Sie kochen salzarm, aber der Blutdruck sinkt nicht? 80% des Salzes konsumieren wir über Brot, Käse, Wurst und Soßen.
Die Lösung: Etiketten lesen.
KONKRET
Achten Sie auf den Salzgehalt (Natrium). Wechseln Sie von Gouda auf Quark/Frischkäse und reduzieren Sie Brot.
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Zu schnell aufgeben: Der Körper braucht Zeit
Das Problem: Viele erwarten nach 3 Tagen DASH-Diät einen normalen Blutdruck. Das passiert nicht. Gefäßwände brauchen Wochen, um zu regenerieren.
Die Lösung: Geduld haben.
KONKRET
Ziehen Sie die Ernährung mindestens 3-4 Wochen konsequent durch, bevor Sie urteilen. Es wirkt garantiert.
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Fertigprodukte essen: Pures Gift bei DASH
Das Problem: Eine Tiefkühlpizza hat oft schon 5-6 Gramm Salz – das ist mehr als der gesamte Tagesbedarf der DASH-Diät.
Die Lösung: Frisch kochen.
KONKRET
Wer DASH macht, muss die Kontrolle über seine Zutaten haben. Grundnahrungsmittel statt Industrieware.
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Zu wenig trinken: Das Blut wird zäh
Das Problem: Bei Dehydrierung wird das Blut dickflüssiger. Das Herz muss viel stärker pumpen, um es durch die Adern zu pressen = hoher Blutdruck.
Die Lösung: 2-3 Liter Wasser am Tag.
KONKRET
Verteilen Sie das Trinken auf den Tag. Wenn der Urin dunkelgelb ist, trinken Sie zu wenig!
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Strikte Verbote: Führt zum Rückfall
Das Problem: Wer sich alles verbietet (gar kein Salz, null Zucker), bekommt Frust und bricht nach einer Woche ab (Binge-Eating von Chips).
Die Lösung: Die 80/20 Regel.
KONKRET
Kochen Sie zu Hause 100% DASH. Wenn Sie auswärts sind, genießen Sie in Maßen ohne schlechtes Gewissen.
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Lakritz essen: Der versteckte Hochdruck-Treiber
Das Problem: Echtes Lakritz enthält Glycyrrhizin (Süßholzwurzel). Dieser Stoff greift in den Hormonhaushalt der Nieren ein und lässt den Blutdruck massiv ansteigen.
Die Lösung: Tabu für Hochdruck-Patienten.
KONKRET
Streichen Sie Lakritz (und Süßholztee) komplett vom Speiseplan, wenn Sie unter Bluthochdruck leiden.
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Säfte statt Obst: Kalorien & Fruktose-Schock
Das Problem: Ein Glas O-Saft enthält den Zucker von 4 Orangen, aber keine Ballaststoffe. Das führt zu einer Fettleber, die wiederum den Blutdruck ansteigen lässt.
Die Lösung: Die ganze Frucht essen.
KONKRET
Kauen Sie Ihr Obst. Trinken Sie Ihre Kalorien nicht.
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Nur Diät, kein Sport: Gefäße bleiben starr
Das Problem: Die DASH-Ernährung ist top, aber ohne Bewegung fehlt der physikalische Reiz, der die Gefäßwände elastisch macht (Scherkraft des Blutes beim Sport).
Die Lösung: Ernährung PLUS Bewegung.
KONKRET
Sie können das eine nicht durch das andere ersetzen. Erst die Kombination macht gesund.
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Schnarchen ignorieren: Die Gefahr der Schlafapnoe
Das Problem: Nächtliche Atemaussetzer führen zu Sauerstoffmangel. Das Gehirn schüttet Adrenalin aus. Folge: Der Blutdruck steigt nachts extrem an, statt zu sinken.
Die Lösung: Schlaflabor.
KONKRET
Wenn Ihr Partner sagt, dass Sie stark schnarchen und Atemaussetzer haben: Lassen Sie das ärztlich klären! Keine Diät heilt Schlafapnoe.
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Schmerzmittel (NSAR) schlucken: Unbekannter Faktor