Dr. Constanze Lohse
über das Gehirn
und die Ernährung
Dr. Constanze Lohse ist Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg,
spezialisiert auf Prävention, und bekannt als TV-Ärztin und
Buchautorin. Sie erklärt, warum Alzheimer oft als "Diabetes Typ 3"
bezeichnet wird und wie Sie Ihr Gehirn bis ins hohe Alter fit essen
können.
Vergesslichkeit ist kein normales Alterszeichen. Das Gehirn bleibt
plastisch und lernfähig, solange wir es richtig füttern und bewegen.
Vorbeugung beginnt Jahrzehnte vor der Diagnose.
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MIND-Diät:
Der Goldstandard
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MIND-Diät:Der Goldstandard
Warum: Die MIND-Diät ist eine
Kombination aus Mittelmeer-Diät und DASH-Diät (gegen
Bluthochdruck). Studien zeigen, dass sie das Alzheimer-Risiko
um bis zu 53% senken kann. Sie reduziert Entzündungen und
oxidative Schäden im Gehirn.
Wie: Viel grünes Blattgemüse,
Nüsse, Beeren, Bohnen, Vollkorn und Fisch.
KONKRET
Versuchen Sie, jeden Tag (!) eine Portion grünes Blattgemüse
(Spinat, Grünkohl, Rucola) und eine Portion anderes Gemüse zu
essen. Das ist der wichtigste Faktor der MIND-Diät.
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Blaubeeren:
Superfood fürs Hirn
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Blaubeeren:Superfood fürs Hirn
Warum: Beeren, besonders
dunkle, enthalten Anthocyane. Diese Pflanzenstoffe können die
Blut-Hirn-Schranke überwinden und schützen die Nervenzellen
direkt vor Alterung. Sie verbessern nachweislich die
Gedächtnisleistung.
Wie: 2x pro Woche eine
Handvoll Beeren (auch TK).
KONKRET
Kaufen Sie wilde Heidelbeeren (tiefgekühlt). Sie enthalten
deutlich mehr Farbstoffe als die großen Zucht-Blaubeeren.
Mischen Sie sie ins Müsli oder den Joghurt.
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Omega-3-Fette:
Gehirnmasse erhalten
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Omega-3-Fette:Gehirnmasse erhalten
Warum: Das Gehirn besteht zu
einem großen Teil aus Fett. Die Omega-3-Fettsäure DHA ist ein
Hauptbaustein der Zellmembranen. Ein hoher Spiegel korreliert
mit größerem Gehirnvolumen im Alter.
Wie: Fetter Seefisch, Algenöl
oder Walnüsse.
KONKRET
Essen Sie mindestens einmal pro Woche Lachs, Hering oder
Makrele. Wenn Sie keinen Fisch mögen, nehmen Sie täglich einen
Löffel hochwertiges Algenöl (reich an DHA) zu sich.
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Zucker reduzieren:
Insulinresistenz im Kopf
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Zucker reduzieren:Insulinresistenz im Kopf
Warum: Alzheimer wird
zunehmend als "Typ-3-Diabetes" bezeichnet. Wenn die
Nervenzellen im Gehirn resistent gegen Insulin werden, können
sie keine Glukose mehr aufnehmen und verhungern regelrecht.
Wie: Meiden Sie Zucker,
Weißmehl und Softdrinks.
KONKRET
Ersetzen Sie Zucker durch Beeren oder Nüsse. Jeder Tag mit
stabilem Blutzucker schützt Ihre Nervenzellen vor dem
Hungertod.
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Vitamin B-Komplex:
Homocystein senken
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Vitamin B-Komplex:Homocystein senken
Warum: Ein hoher
Homocystein-Spiegel im Blut ist giftig für Nerven und Gefäße.
Die Vitamine B6, B12 und Folsäure bauen diesen Stoff ab. Ein
Mangel an B12 kann sogar demenzähnliche Symptome vortäuschen
("reversible Demenz").
Wie: Grünes Gemüse, Vollkorn,
tierische Produkte (B12).
KONKRET
Lassen Sie beim Arzt Ihren Homocystein-Spiegel messen. Wenn er
zu hoch ist, nehmen Sie gezielt einen Vitamin-B-Komplex ein.
Das ist eine der einfachsten Präventionsmaßnahmen.
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Walnüsse:
Das Gehirn-Futter
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Walnüsse:Das Gehirn-Futter
Warum: Walnüsse sehen nicht
nur aus wie ein Gehirn, sie sind auch das beste Futter dafür.
Sie liefern Omega-3, Vitamin E und Antioxidantien. Studien
zeigen bessere kognitive Leistungen bei regelmäßigem
Nussverzehr.
Wie: Eine Handvoll (ca. 30g)
Walnüsse täglich.
KONKRET
Kaufen Sie Walnüsse in der Schale und knacken Sie sie frisch.
So sind die empfindlichen Fette vor Oxidation geschützt und
wirken am besten.
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Olivenöl:
Gefäße freihalten
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Olivenöl:Gefäße freihalten
Warum: Vaskuläre Demenz
entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn
(Mini-Schlaganfälle). Olivenöl (Extra Vergine) schützt die
Gefäße und senkt das schlechte Cholesterin.
Wie: Nutzen Sie es als
Hauptfettquelle.
KONKRET
Verwenden Sie Olivenöl nicht nur kalt, sondern auch zum
Dünsten. Die enthaltenen Polyphenole sind hitzestabiler als
oft angenommen und schützen vor Zellstress.
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Grüner Tee:
Wach und geschützt
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Grüner Tee:Wach und geschützt
Warum: Grüner Tee enthält
EGCG, ein starkes Antioxidans, das Ablagerungen (Plaques) im
Gehirn verhindern kann. Zudem fördert er die Durchblutung und
Konzentration.
Wie: 2-3 Tassen täglich.
KONKRET
Lassen Sie den Tee nicht mit kochendem Wasser aufbrühen (max.
80 Grad), um die wertvollen Inhaltsstoffe nicht zu zerstören.
Matcha-Tee enthält die höchste Konzentration.
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Kurkuma:
Gelbes Gold gegen Plaques
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Kurkuma:Gelbes Gold gegen Plaques
Warum: In Indien, wo viel
Curry gegessen wird, ist die Alzheimer-Rate deutlich
niedriger. Curcumin kann die Blut-Hirn-Schranke passieren und
dort Entzündungen hemmen und Plaques auflösen.
Wie: Täglich Kurkuma ins Essen
oder als "Goldene Milch".
KONKRET
Kombinieren Sie Kurkuma immer mit schwarzem Pfeffer und etwas
Öl. Das Piperin im Pfeffer erhöht die Aufnahme von Curcumin um
das 2000-fache.
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Wasser:
Hydration fürs Denken
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Wasser:Hydration fürs Denken
Warum: Im Alter lässt das
Durstgefühl nach. Dehydrierung führt sofort zu Verwirrtheit
und Konzentrationsstörungen, die oft fälschlich für Demenz
gehalten werden.
Wie: 1,5 bis 2 Liter pro Tag
trinken.
KONKRET
Stellen Sie sich morgens eine volle Karaffe hin, die abends
leer sein muss. Trinken Sie zu jeder Mahlzeit ein großes Glas
Wasser, das schafft Routine.
TOP 10 TIPPS LIFESTYLE
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Schlaf:
Die Müllabfuhr im Gehirn
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Schlaf:Die Müllabfuhr im Gehirn
Warum: Nachts aktiviert sich
das glymphatische System – das Abwassersystem des Gehirns.
Es spült schädliche Eiweißablagerungen (Amyloide) aus. Wer
schlecht schläft, "vermüllt" sein Gehirn.
Wie: 7-8 Stunden Schlaf
priorisieren.
KONKRET
Vermeiden Sie Schlaftabletten (Benzodiazepine), da sie den
natürlichen Reinigungsprozess stören können. Setzen Sie auf
Schlafhygiene und Rhythmus.
2
Hörgeräte tragen:
Isolation vermeiden
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Hörgeräte tragen:Isolation vermeiden
Warum: Unbehandelte
Schwerhörigkeit ist der größte modifizierbare Risikofaktor
für Demenz! Wer schlecht hört, zieht sich sozial zurück und
das Gehirn bekommt weniger Input.
Wie: Frühzeitig zum
Ohrenarzt.
KONKRET
Tragen Sie Ihr Hörgerät täglich, nicht nur zu Feiern. Das
Gehirn verlernt das Hören sonst, und die entsprechenden
Areale verkümmern.
3
Bewegung:
Dünger fürs Gehirn
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Bewegung:Dünger fürs Gehirn
Warum: Sport fördert die
Durchblutung und die Ausschüttung von BDNF (Brain-Derived
Neurotrophic Factor). Das ist wie Dünger, der neue
Nervenzellen sprießen lässt.
Wie: Tanzen oder
Koordinations-Sport.
KONKRET
Tanzen ist ideal, da es Bewegung, Koordination und Musik
verbindet. Das fordert das Gehirn mehr als stupides Laufen
auf dem Laufband.
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Soziale Kontakte:
Gehirnjogging live
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Soziale Kontakte:Gehirnjogging live
Warum: Einsamkeit ist Gift
für das Gehirn. Ein Gespräch zu führen ist kognitiv höchst
anspruchsvoll (Zuhören, Verarbeiten, Reagieren). Das hält
die Synapsen fit.
Wie: Verabreden Sie sich
regelmäßig.
KONKRET
Treten Sie einem Verein bei oder gehen Sie zum
Seniorentreff. Die Qualität der Kontakte ist wichtiger als
die Quantität.
5
Neues lernen:
Reserve aufbauen
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Neues lernen:Reserve aufbauen
Warum: Man kann
Demenz-Plaques im Gehirn haben, aber trotzdem geistig fit
sein, wenn man genug "kognitive Reserve" hat. Das sind
alternative Nervenverbindungen, die einspringen.
Wie: Lernen Sie eine Sprache
oder ein Instrument.
KONKRET
Kreuzworträtsel reichen nicht (Routine). Das Gehirn braucht
neue Herausforderungen. Versuchen Sie, mit der "falschen"
Hand Zähne zu putzen.
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Stress reduzieren:
Cortisol schadet dem
Hippocampus
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Stress reduzieren:Cortisol schadet dem Hippocampus
Warum: Chronischer Stress
und hohes Cortisol lassen den Hippocampus schrumpfen – das
ist das Zentrum für Erinnerungen und Lernen.
Wie: Entspannungstechniken.
KONKRET
Bauen Sie Meditation oder autogenes Training in den Alltag
ein. Schon 10 Minuten am Tag schützen das Gehirn vor
Stresshormonen.
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Rauchstopp:
Durchblutung sichern
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Rauchstopp:Durchblutung sichern
Warum: Rauchen schädigt die
feinen Blutgefäße im Gehirn und fördert Arteriosklerose. Das
Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz steigt massiv.
Wie: Aufhören, egal in
welchem Alter.
KONKRET
Der Körper profitiert sofort. Die Durchblutung verbessert
sich. Nutzen Sie professionelle Entwöhnungsprogramme.
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Mundhygiene:
Bakterien wandern
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Mundhygiene:Bakterien wandern
Warum: Bakterien aus
entzündetem Zahnfleisch (Parodontitis) können ins Gehirn
wandern und dort Entzündungen auslösen, die Alzheimer
begünstigen.
Wie: Zahnseide und Zahnarzt.
KONKRET
Nutzen Sie täglich Zahnseide oder Interdentalbürsten. Gehen
Sie 2x im Jahr zur professionellen Zahnreinigung.
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Blutdruck senken:
Gefäße schützen
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Blutdruck senken:Gefäße schützen
Warum: Hoher Blutdruck
schädigt die feinen Gefäße im Gehirn (Mikroangiopathie). Das
ist die Hauptursache für vaskuläre Demenz.
Wie: Regelmäßige Messung.
KONKRET
Kennen Sie Ihre Werte. Wenn sie zu hoch sind: Weniger Salz,
mehr Bewegung und ggf. Medikamente. Ein gut eingestellter
Blutdruck schützt das Gehirn.
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Kopfschutz:
Stürze vermeiden
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Kopfschutz:Stürze vermeiden
Warum: Wiederholte
Kopfverletzungen (auch leichte Gehirnerschütterungen)
erhöhen das Demenzrisiko im Alter signifikant.
Wie: Helm tragen,
Stolperfallen entfernen.
KONKRET
Tragen Sie beim Radfahren immer einen Helm. Sorgen Sie zu
Hause für gute Beleuchtung und rutschfeste Teppiche, um
Stürze zu vermeiden.
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Zucker-Konsum:
Typ-3-Diabetes
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Zucker-Konsum:Typ-3-Diabetes
Das Problem: Hoher
Zuckerkonsum führt zu Insulinresistenz. Wenn Gehirnzellen
insulinresistent werden, sterben sie ab. Zucker ist direkt
neurotoxisch.
Die Lösung: Entzug.
KONKRET
Reduzieren Sie Zucker drastisch. Das Gehirn braucht keine
Süßigkeiten, es braucht konstante Energie aus komplexen
Kohlenhydraten.
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Schwerhörigkeit ignorieren:
"Ich höre noch
genug"
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Schwerhörigkeit ignorieren:"Ich höre noch genug"
Das Problem: Viele schämen
sich für ein Hörgerät. Aber wer schlecht hört, zieht sich
zurück. Das Gehirn wird unterfordert und baut ab.
Die Lösung: Hörgerät.
KONKRET
Ein Hörgerät ist der effektivste Demenzschutz im Alter.
Tragen Sie es stolz.
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Alkohol trinken:
Nervengift
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Alkohol trinken:Nervengift
Das Problem: Alkohol
schädigt das Gehirn direkt (Gehirnschwund). Das tägliche
"Gläschen" summiert sich über Jahrzehnte.
Die Lösung: Weniger ist
mehr.
KONKRET
Begrenzen Sie Alkohol auf besondere Anlässe. Alkohol ist
kein Schlafmittel und kein Stresslöser, sondern ein
Risikofaktor.
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Schlaftabletten:
Kein echter Schlaf
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Schlaftabletten:Kein echter Schlaf
Das Problem: Benzodiazepine
und Z-Substanzen (Schlafmittel) erhöhen das Demenzrisiko bei
Langzeiteinnahme und unterdrücken den reinigenden
Tiefschlaf.
Die Lösung: Absetzen (mit
Arzt).
KONKRET
Versuchen Sie natürliche Alternativen wie Melatonin,
Baldrian oder Lavendel.
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Transfette:
Verklebte Zellwände
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Transfette:Verklebte Zellwände
Das Problem: Gehärtete Fette
(in Fertiggebäck, Chips, Frittiertem) lagern sich in die
Zellmembranen im Gehirn ein und machen sie starr. Die
Kommunikation der Nerven leidet.
Die Lösung: Meiden.
KONKRET
Lesen Sie die Zutatenliste: "Pflanzliches Fett, gehärtet"
ist ein Warnsignal. Lassen Sie es im Regal.
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Einsamkeit:
Gehirn verkümmert
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Einsamkeit:Gehirn verkümmert
Das Problem: Soziale
Isolation ist für das Gehirn schlimmer als Rauchen. Ohne
Austausch sterben Synapsen ab.
Die Lösung: Aktiv bleiben.
KONKRET
Pflegen Sie Freundschaften. Gehen Sie unter Leute. Ein
kurzes Gespräch beim Bäcker ist besser als gar keines.
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B12-Mangel:
Unnötige Demenz
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B12-Mangel:Unnötige Demenz
Das Problem: Im Alter nimmt
der Körper B12 schlechter auf. Ein Mangel führt zu
Gedächtnislücken, die wie Demenz aussehen, aber heilbar
sind!
Die Lösung: Messen und
Spritzen.
KONKRET
Lassen Sie B12 regelmäßig im Blut checken (Holo-TC). Nehmen
Sie bei Mangel Tropfen oder lassen Sie es spritzen.
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Dehydrierung:
Verwirrtheit
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Dehydrierung:Verwirrtheit
Das Problem: Viele Senioren
trinken zu wenig. Das Blut wird dicker, das Gehirn
schlechter durchblutet. Akute Verwirrtheit ist oft nur
Wassermangel.
Die Lösung: Trinkplan.
KONKRET
Trinken Sie nach der Uhr, nicht nach dem Durst. 1,5 Liter
müssen es sein.
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Anticholinergika:
Riskante Medikamente
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Anticholinergika:Riskante Medikamente
Das Problem: Bestimmte
Medikamente (gegen Blasenschwäche, Allergien oder
Schlafmittel) haben anticholinerge Nebenwirkungen, die das
Demenzrisiko erhöhen.
Die Lösung:
Medikamenten-Check.
KONKRET
Gehen Sie mit Ihrer Medikamentenliste zum Arzt und fragen
Sie gezielt nach Alternativen für anticholinerge Wirkstoffe.
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Routine:
Tödliche Langeweile
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Routine:Tödliche Langeweile
Das Problem: Wer jeden Tag
genau das Gleiche tut, fordert sein Gehirn nicht. Das Gehirn
braucht Neues, um Verbindungen zu erhalten.
Die Lösung: Komfortzone
verlassen.
KONKRET
Nehmen Sie einen neuen Heimweg. Putzen Sie Zähne mit links.
Lernen Sie ein Gedicht. Brechen Sie die Routine auf.