Fettleber

Dr. Constanze Lohse
über die richtige Ernährung
bei Fettleber

Dr. Constanze Lohse ist Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg, spezialisiert auf Prävention, und bekannt als TV-Ärztin und Buchautorin. Sie erklärt, warum die Leber "stumm" leidet und wie man sie mit den richtigen Lebensmitteln wieder entfetten kann.
Die Fettleber ist die häufigste Lebererkrankung und der Startpunkt für Diabetes. Das Gute: Die Leber ist das einzige Organ, das sich vollständig regenerieren kann, wenn man ihr eine Pause gönnt.
1
Fruktose reduzieren:
Das Gift für die Leber
Warum: Fruchtzucker (Fruktose) wird fast ausschließlich in der Leber verstoffwechselt. Wenn zu viel auf einmal kommt (Softdrinks, Smoothies, viel süßes Obst), wandelt die Leber den Überschuss direkt in Fett um, das dort eingelagert wird. Fruktose ist der Treiber Nr. 1 für die Fettleber.
Wie: Meiden Sie Haushaltszucker (50% Fruktose) und trinken Sie keine Säfte.
KONKRET
Beschränken Sie Obst auf 2 Portionen am Tag und wählen Sie zuckerarme Sorten (Beeren, Grapefruit) statt zuckerreiche (Trauben, Bananen). Essen Sie Obst nie "nackt", sondern mit Joghurt oder Nüssen.
2
Essenspausen einlegen:
Leberfasten im Alltag
Warum: Die Leber kann gespeichertes Fett nur abbauen, wenn der Insulinspiegel niedrig ist. Wer ständig snackt, hält das Insulin hoch und blockiert die Fettverbrennung. Die Leber kommt nie in den "Reinigungsmodus".
Wie: Nur 3 Mahlzeiten am Tag, keine Snacks.
KONKRET
Versuchen Sie das 16:8-Prinzip: 16 Stunden fasten (z.B. von 20 Uhr abends bis 12 Uhr mittags) und in 8 Stunden essen. Das gibt der Leber die nötige Zeit, um sich zu entfetten.
3
Eiweiß erhöht:
Der Fett-Transporter
Warum: Um Fett aus der Leber herauszutransportieren, braucht der Körper spezielle Transportproteine (Lipoproteine). Fehlt Eiweiß in der Nahrung, bleibt das Fett in der Leber stecken. Eiweiß sättigt zudem gut und schützt die Muskeln.
Wie: Essen Sie zu jeder Mahlzeit eine Portion Eiweiß (Quark, Fisch, Hülsenfrüchte).
KONKRET
Starten Sie den Tag mit einem proteinreichen Frühstück, z.B. Rührei mit Gemüse oder körniger Frischkäse. Das kurbelt den Stoffwechsel an und verhindert Heißhunger.
4
Bitterstoffe:
Leber-Detox natürlich
Warum: Bitterstoffe regen den Gallenfluss an. Die Galle hilft, Fette zu verdauen und Giftstoffe aus der Leber in den Darm zu spülen. Bitterstoffe senken zudem den Appetit auf Süßes.
Wie: Chicorée, Radicchio, Rucola, Artischocken oder Grapefruit.
KONKRET
Essen Sie vor dem Hauptgang einen kleinen Salat aus bitteren Blättern. Oder nehmen Sie Artischocken-Extrakt oder Mariendistel-Kapseln (Silymarin) zur Unterstützung der Leberregeneration ein.
5
Gute Fette:
Omega-3 gegen Entzündung
Warum: Eine Fettleber ist oft entzündet ("NASH"). Omega-3-Fettsäuren wirken stark entzündungshemmend und verbessern die Insulinsensitivität. Gesättigte Fette und Transfette (Frittiertes) verschlimmern das Problem.
Wie: Leinöl, Walnüsse, fetter Fisch (Hering, Lachs) oder Algenöl.
KONKRET
Nehmen Sie täglich 1-2 Esslöffel hochwertiges Leinöl (nicht erhitzen!) oder Algenöl zu sich. Rühren Sie es in den Quark oder träufeln Sie es über das gedünstete Gemüse.
6
Kreuzblütler:
Die Leber-Putzer
Warum: Brokkoli, Blumenkohl und Rosenkohl enthalten Senföle (Glucosinolate), die die Entgiftungsenzyme der Leber in Phase 1 und Phase 2 aktivieren. Sie helfen der Leber, Schadstoffe schneller loszuwerden.
Wie: Essen Sie täglich eine Portion Kohl-Gemüse.
KONKRET
Brokkoli-Sprossen enthalten besonders viel Sulforaphan (der Wirkstoff). Streuen Sie diese über Salat oder Brot. Dämpfen Sie Brokkoli nur kurz, um die Stoffe zu erhalten.
7
Komplexe Kohlenhydrate:
Den Blutzucker schonen
Warum: Weißmehlprodukte wirken im Körper fast wie Zucker. Sie treiben das Insulin hoch und fördern die Fetteinlagerung. Vollkornprodukte enthalten Ballaststoffe, die den Zuckeranstieg bremsen und Giftstoffe im Darm binden.
Wie: Ersetzen Sie Nudeln und Brot durch Vollkorn, Quinoa, Hafer oder Hülsenfrüchte.
KONKRET
Kochen Sie Kartoffeln am Vortag und essen Sie sie kalt (als Salat). Durch das Abkühlen entsteht "resistente Stärke", die wie ein Ballaststoff wirkt und den Blutzucker kaum belastet.
8
Kaffee erlaubt:
Schutzschild für die Leber
Warum: Studien zeigen, dass regelmäßiger Kaffeekonsum die Leberwerte verbessert und das Risiko für Leberzirrhose senkt. Die enthaltenen Antioxidantien wirken entzündungshemmend und antifibrotisch (gegen Vernarbung).
Wie: 3 Tassen schwarzer Kaffee (Filterkaffee ist am besten) täglich.
KONKRET
Trinken Sie den Kaffee unbedingt ohne Zucker! Ein Schuss Milch oder Sahne ist okay, aber Zucker würde den positiven Effekt auf die Leber zunichte machen.
9
Flüssigkeit:
Entgiftung unterstützen
Warum: Die Leber entgiftet das Blut, die Nieren scheiden die Giftstoffe aus. Dafür braucht der Körper Wasser als Lösungsmittel. Wer zu wenig trinkt, zwingt die Leber, die Giftstoffe im Fettgewebe "zwischenzulagern".
Wie: 2-3 Liter Wasser oder ungesüßten Kräutertee am Tag.
KONKRET
Löwenzahntee oder Wermuttee unterstützen die Leberfunktion besonders gut. Trinken Sie morgens gleich nach dem Aufstehen zwei große Gläser Wasser.
10
Alkoholverzicht:
Das Zellgift Nr. 1
Warum: Alkohol wird in der Leber zu Fett umgewandelt und blockiert gleichzeitig die Fettverbrennung. Solange Alkohol im Blut ist, baut die Leber kein anderes Fett ab. Bei Fettleber ist Alkohol ein absolutes Tabu.
Wie: Legen Sie eine strikte Alkoholpause von mindestens 4-8 Wochen ein.
KONKRET
Nutzen Sie alkoholfreie Alternativen wie Wasser mit Zitrone und Minze. Schon nach 4 Wochen Alkoholverzicht sinken die Leberwerte oft signifikant.
1
Der Leberwickel:
Durchblutung fördern
Warum: Wärme weitet die Blutgefäße in der Leber, was den Stoffwechsel und die Entgiftung um bis zu 40% beschleunigen kann. Ein Leberwickel ist Wellness für das gestresste Organ.
Wie: Mittags oder abends für 20-30 Minuten anwenden.
KONKRET
Feuchtes, warmes Handtuch auf den rechten Oberbauch legen, Wärmflasche drauf, trockenes Handtuch drüber. Ruhen Sie sich dabei aus.
2
Muskeln aufbauen:
Die Fettverbrennungs-Fabrik
Warum: Muskeln verbrennen Fett und verbessern die Insulinempfindlichkeit. Botenstoffe aus den Muskeln (Myokine) wirken direkt heilend auf die Leber. Wer Muskeln aufbaut, zieht das Fett aus der Leber ab.
Wie: 2-3 Mal pro Woche Krafttraining.
KONKRET
Kniebeugen und Liegestütze sind effektive Übungen, die Sie zu Hause machen können. Große Muskelgruppen verbrauchen am meisten Energie.
3
Schlaf:
Regeneration nach der Organuhr
Warum: Nach der traditionellen Organuhr ist die Leber zwischen 1 und 3 Uhr nachts am aktivsten in der Entgiftung. Wer da wach ist oder Alkohol trinkt, stört die Regeneration massiv.
Wie: Vor 23 Uhr schlafen gehen.
KONKRET
Wenn Sie zwischen 1 und 3 Uhr oft aufwachen ("Leber-Schlafstörung"), ist das ein Zeichen für eine überlastete Leber. Verzichten Sie auf spätes Essen und Alkohol am Abend.
4
Stress reduzieren:
Cortisol fördert Fetteinlagerung
Warum: Chronischer Stress führt zu dauerhaft erhöhtem Cortisol. Cortisol signalisiert der Leber: "Speichere Energie für schlechte Zeiten!" – und zwar als viszerales Fett direkt im Bauchraum und in der Leber selbst.
Wie: Entspannungstechniken lernen.
KONKRET
5 Minuten tiefes Atmen oder Meditation am Tag reichen, um das Stresssystem runterzufahren. Bewegung in der Natur baut Cortisol ebenfalls ab.
5
Giftstoffe meiden:
Die Leber entlasten
Warum: Jedes Medikament, jedes Pestizid und jeder Zusatzstoff muss durch die Leber. Je mehr "Müll" sie verarbeiten muss, desto weniger Kapazität hat sie für den Fettabbau.
Wie: Bio-Lebensmittel und Medikamente prüfen.
KONKRET
Nehmen Sie Schmerzmittel (Paracetamol belastet die Leber!) nur, wenn absolut nötig. Waschen Sie Obst und Gemüse gründlich oder kaufen Sie Bio, um Pestizide zu vermeiden.
6
Gewicht reduzieren:
Aber langsam
Warum: Eine Gewichtsabnahme von 5-10% kann die Fettleber oft komplett heilen. Aber: Zu schnelles Abnehmen überflutet die Leber mit freien Fettsäuren und verschlimmert die Entzündung.
Wie: Max. 0,5 bis 1 kg pro Woche.
KONKRET
Vermeiden Sie Nulldiäten. Essen Sie sich an Gemüse und Eiweiß satt, um den Stoffwechsel aktiv zu halten, während Sie Kalorien einsparen.
7
Darmgesundheit:
Die Darm-Leber-Achse
Warum: Blut aus dem Darm fließt direkt zur Leber (Pfortader). Wenn der Darm durchlässig ist ("Leaky Gut") oder die falschen Bakterien dort wohnen, wird die Leber permanent mit Toxinen und Entzündungsstoffen geflutet.
Wie: Probiotika und Ballaststoffe essen.
KONKRET
Essen Sie täglich Sauerkraut, Kimchi oder Joghurt und Leinsamen. Eine gesunde Darmflora entlastet die Leber enorm.
8
Zahn-Check:
Versteckte Entzündungen
Warum: Chronische Entzündungen im Mund (Parodontitis) erhöhen die systemische Entzündung im ganzen Körper und belasten die Leber. Bakterien aus dem Mund können über das Blut in die Leber gelangen.
Wie: Professionelle Zahnreinigung.
KONKRET
Nutzen Sie täglich Zahnseide. Eine sanierte Mundhöhle senkt die Entzündungswerte und hilft der Leber bei der Heilung.
9
Spätes Essen meiden:
Leber braucht Nachtruhe
Warum: Die Leber folgt einem Biorhythmus. Nachts will sie entgiften und regenerieren, nicht verdauen. Spätes, schweres Essen blockiert diese Regenerationsphase.
Wie: 3-4 Stunden vor dem Schlafen nichts mehr essen.
KONKRET
Machen Sie "Dinner Cancelling" oder essen Sie abends nur leicht (Suppe, Gemüse). Ihr Schlaf und Ihre Leberwerte werden sich verbessern.
10
Vorsorge:
Werte kontrollieren
Warum: Die Fettleber tut nicht weh. Man spürt sie nicht. Nur durch Blutwerte (Gamma-GT, GPT, GOT) und Ultraschall lässt sich der Verlauf kontrollieren.
Wie: 1x jährlich Check-up.
KONKRET
Lassen Sie den "Fettleber-Index" (FLI) bestimmen. Das motiviert, wenn man sieht, wie die Werte durch die Lebensstiländerung besser werden.
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Smoothie-Falle:
Fruktose-Overload
Das Problem: Viele trinken Smoothies, weil sie "gesund" sind. Aber ein Smoothie enthält oft das Obst von 3-4 Portionen. Die Leber wird mit Fruktose geflutet und muss sofort Fett produzieren.
Die Lösung: Obst kauen.
KONKRET
Trinken Sie keine Säfte oder Smoothies. Essen Sie das Obst im Ganzen, damit die Ballaststoffe den Zuckeranstieg bremsen.
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Alkohol verharmlosen:
"Ein Bier geht doch"
Das Problem: Bei einer Fettleber ist die Toleranz für Alkohol gleich null. Alkohol ist ein Zellgift, das den Fettabbau sofort stoppt. Selbst kleine Mengen verhindern die Heilung.
Die Lösung: Konsequenter Verzicht.
KONKRET
Machen Sie eine Alkoholpause von mindestens 6-8 Wochen. Die Leber braucht diese Zeit am Stück, um sich zu erholen.
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Crash-Diät:
Fett überflutet die Leber
Das Problem: Wer zu schnell abnimmt (Nulldiät), mobilisiert viel Fettgewebe auf einmal. Diese freien Fettsäuren strömen zur Leber und können dort eine akute Entzündung auslösen.
Die Lösung: Langsam abnehmen.
KONKRET
Maximal 0,5 bis 1 kg Gewichtsverlust pro Woche. Eiweißreich essen, um die Leber beim Fettabtransport zu unterstützen.
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Light-Produkte:
Zucker statt Fett
Das Problem: Fettreduzierte Produkte ("0,1% Fett") schmecken oft fad. Um das auszugleichen, fügt die Industrie Zucker hinzu. Für die Fettleber ist Zucker schlimmer als Fett.
Die Lösung: Naturprodukte.
KONKRET
Kaufen Sie normalen Naturjoghurt oder Quark und würzen Sie selbst mit Beeren oder Kräutern. Meiden Sie alles, wo "Light" oder "Fettarm" draufsteht.
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Dauernaschen:
Insulin kommt nicht zur Ruhe
Das Problem: Wer ständig kleine Häppchen isst (auch gesunde wie Obst), hält den Insulinspiegel oben. Solange Insulin hoch ist, ist die Fettverbrennung der Leber blockiert.
Die Lösung: Mahlzeitenfrequenz senken.
KONKRET
Essen Sie nur 2 oder 3 Mal am Tag und halten Sie dazwischen 4-5 Stunden Esspause ein. Trinken Sie in der Pause nur Wasser oder ungesüßten Tee.
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Schmerzmittel-Missbrauch:
Paracetamol belastet
Das Problem: Paracetamol wird über die Leber abgebaut und kann sie bei hoher Dosierung schädigen. Wer bei jedem Kopfschmerz eine Tablette nimmt, stresst das Organ zusätzlich.
Die Lösung: Alternativen suchen.
KONKRET
Versuchen Sie bei Kopfschmerzen erst Wasser trinken, frische Luft oder Pfefferminzöl auf den Schläfen, bevor Sie Medikamente nehmen.
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Symptome ignorieren:
"Die Müdigkeit ist der Schmerz der Leber"
Das Problem: Die Leber hat keine Schmerzrezeptoren. Sie tut nicht weh. Das einzige Symptom ist oft bleierne Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Wer das ignoriert, merkt die Fettleber erst, wenn sie entzündet ist.
Die Lösung: Müdigkeit ernst nehmen.
KONKRET
Wenn Sie ständig müde sind, lassen Sie Ihre Leberwerte checken. Eine Entlastung der Leber bringt oft schnell Energie zurück.
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Zu viel Obst:
Gesund, aber zuckrig
Das Problem: "Obst ist gesund, davon kann man so viel essen, wie man will." Falsch. 1kg Trauben am Tag sind eine Fruktose-Bombe, die die Leber verfettet.
Die Lösung: Gemüse vor Obst.
KONKRET
Essen Sie mehr Gemüse als Obst. Gemüsesticks, Salat und Pfannengemüse belasten die Leber nicht und liefern genauso viele Vitamine.
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Fertiggerichte:
Versteckte Fette & Zucker
Das Problem: In Pizza, Fertigsoßen und Brot stecken oft Glukose-Fruktose-Sirup und Transfette. Diese Kombination ist pures Gift für die Leber.
Die Lösung: Selber kochen.
KONKRET
Vermeiden Sie Produkte mit ellenlangen Zutatenlisten. Kochen Sie frisch, dann wissen Sie, was drin ist.
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Bewegungsmangel:
Kein Motor zur Verbrennung
Das Problem: Wer nur die Ernährung umstellt, aber sich nicht bewegt, entfettet die Leber viel langsamer. Muskelarbeit zieht Energie aus den Speichern.
Die Lösung: Alltagsbewegung.
KONKRET
Machen Sie nach jedem Essen einen 10-minütigen Verdauungsspaziergang. Das senkt den Blutzucker und entlastet die Leber sofort.