Gastritis

Dr. Constanze Lohse
über den Schutz
der Magenschleimhaut

Dr. Constanze Lohse ist Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg, spezialisiert auf Prävention, und bekannt als TV-Ärztin und Buchautorin. Sie erklärt, wie Sie die entzündete Magenschleimhaut beruhigen und die Säureproduktion natürlich regulieren können.
Der Magen ist unser emotionalstes Organ. Eine Gastritis ist oft ein Hilferuf, dass wir nicht nur falsches Essen, sondern auch zu viel Stress "schlucken". Ruhe ist die beste Medizin.
1
Der Haferschleim-Schutz:
Kleidet den Magen aus
Warum: Haferflocken enthalten Schleimstoffe (Beta-Glucane), die sich beim Kochen lösen. Dieser Brei legt sich wie ein Schutzfilm über die gereizte Magenschleimhaut und schützt sie vor aggressiver Säure.
Wie: Essen Sie morgens Porridge oder Haferschleim.
KONKRET
Kochen Sie zarte Haferflocken mit Wasser oder verdünnter Milch auf, bis eine schleimige Konsistenz entsteht. Essen Sie das lauwarm, nicht heiß. Würzen Sie nur mild (kein Zucker, evtl. etwas Banane).
2
Kartoffelsaft:
Säure binden
Warum: Roher Kartoffelsaft ist stark basisch und bindet überschüssige Magensäure sofort. Er enthält zudem Peptide, die schmerzlindernd und entzündungshemmend auf die Schleimhaut wirken. Ein uraltes Hausmittel.
Wie: Trinken Sie 50ml Kartoffelsaft (Reformhaus) vor dem Essen.
KONKRET
Mischen Sie den Saft mit etwas Karottensaft, wenn Ihnen der Geschmack zu erdig ist. Trinken Sie ihn morgens auf nüchternen Magen und abends vor dem Schlafen.
3
Viele kleine Mahlzeiten:
Magen nie leer lassen
Warum: Wenn der Magen leer ist, greift die Säure die ungeschützte Wand an. Große Mahlzeiten dehnen den Magen zu sehr, was die Säureproduktion ankurbelt. Die Lösung ist die goldene Mitte.
Wie: 5-6 kleine Portionen über den Tag verteilt.
KONKRET
Essen Sie alle 3 Stunden eine Kleinigkeit (z.B. Zwieback, Banane, Joghurt). So hat die Säure immer etwas "zu tun" und greift nicht die Magenwand an.
4
Reizstoffe meiden:
Keine Säure-Booster
Warum: Bestimmte Stoffe regen die Belegzellen im Magen direkt zur maximalen Säureproduktion an oder reizen die wunde Schleimhaut chemisch. Dazu gehören Koffein, Alkohol, scharfe Gewürze und Fruchtsäuren.
Wie: Verzicht auf Kaffee, Alkohol, Chili und Zitrusfrüchte.
KONKRET
Ersetzen Sie Kaffee durch milden Kräutertee (Kamille, Fenchel). Wenn Sie Kaffee brauchen: Trinken Sie ihn niemals auf nüchternen Magen, sondern immer erst NACH dem Essen.
5
Leinsamen-Aufguss:
Schleim ohne Kalorien
Warum: Ähnlich wie Hafer enthalten Leinsamen Schleimstoffe, die bei Entzündungen lindernd wirken. Sie legen sich über die wunden Stellen im Magen.
Wie: Trinken Sie Leinsamenschleim.
KONKRET
Übergießen Sie 2 EL Leinsamen mit heißem Wasser und lassen Sie es 20 Minuten ziehen. Siehen Sie die Samen ab und trinken Sie nur den schleimigen Sud schluckweise über den Tag verteilt.
6
Garen statt Braten:
Röstaromen reizen
Warum: Beim scharfen Anbraten, Grillen oder Frittieren entstehen Röststoffe. Diese sind zwar lecker, aber für einen entzündeten Magen schwerstarbeit und reizend. Fettiges Essen verweilt zudem zu lange im Magen.
Wie: Dünsten, Dämpfen oder Kochen.
KONKRET
Bereiten Sie Fisch oder Hähnchen im Ofen in Folie zu oder dünsten Sie es in etwas Brühe. Das ist magenschonend und erhält die Nährstoffe.
7
Basische Kost:
Kartoffeln als Hauptspeise
Warum: Kartoffeln sind extrem basisch und leicht verdaulich. Sie puffern Säure ab. Gekochte Karotten, Fenchel oder Zucchini sind ebenfalls ideal.
Wie: Kartoffelbrei (selbstgemacht).
KONKRET
Stampfen Sie gekochte Kartoffeln mit etwas Gemüsebrühe oder fettarmer Milch. Vermeiden Sie fette Soßen. Ein Kartoffel-Möhren-Stampf ist das perfekte Mittagessen bei Gastritis.
8
Kauen, kauen, kauen:
Der Magen hat keine Zähne
Warum: Je feiner der Nahrungsbrei im Mund zerkleinert und eingespeichelt wird, desto weniger Arbeit hat der Magen. Grobe Brocken liegen wie Steine im Magen und zwingen ihn zu starken Knetbewegungen, was schmerzt.
Wie: 30 Mal kauen pro Bissen.
KONKRET
Pürieren Sie Ihr Essen in der akuten Phase (Suppen, Smoothies), um den Magen maximal zu entlasten. Essen Sie breiige Kost, bis die Schmerzen nachlassen.
9
Zwieback & Co:
Trockenes bindet Säure
Warum: Trockene, stärkehaltige Lebensmittel saugen überschüssigen Magensaft auf wie ein Schwamm. Das lindert Sodbrennen und Übelkeit.
Wie: Zwieback, trockenes Weißbrot, Reiswaffeln.
KONKRET
Essen Sie direkt nach dem Aufwachen (noch im Bett) eine Scheibe Zwieback oder Knäckebrot, um die nüchterne Säure vom Morgen zu binden.
10
Kamillen-Rollkur:
Der Tee-Verband
Warum: Kamille wirkt stark entzündungshemmend und wundheilend. Bei einer Rollkur wird der Tee so im Magen verteilt, dass er jede Stelle der Schleimhaut benetzt.
Wie: 2 Tassen Kamillentee auf nüchternen Magen.
KONKRET
Trinken Sie den Tee und liegen Sie dann je 5 Minuten auf dem Rücken, der linken Seite, dem Bauch und der rechten Seite. So "spülen" Sie den gesamten Magen aus.
1
Stress-Management:
Der Vagusnerv
Warum: Stress aktiviert den Sympathikus, der die Verdauung hemmt und die Säureproduktion steigert. Viele Gastritiden sind rein stressbedingt ("Reizmagen"). Entspannung aktiviert den Vagusnerv (Selbstheilung).
Wie: Progressive Muskelentspannung oder Meditation.
KONKRET
Nehmen Sie sich vor dem Essen 2 Minuten Zeit zum tiefen Atmen. Essen Sie niemals in Stresssituationen oder Streitgesprächen.
2
Wärme von außen:
Durchblutung fördern
Warum: Wärme entspannt die verkrampfte Magenmuskulatur und fördert die Durchblutung der Schleimhaut, was die Heilung beschleunigt.
Wie: Wärmflasche oder Kirschkernkissen.
KONKRET
Legen Sie sich nach dem Essen für 20 Minuten mit einer Wärmflasche auf dem Oberbauch hin. Das unterstützt die Verdauungsarbeit.
3
Nicht hinlegen:
Reflux vermeiden
Warum: Wer sich direkt nach dem Essen flach hinlegt, riskiert, dass saurer Speisebrei in die Speiseröhre zurückfließt (Sodbrennen). Das reizt zusätzlich.
Wie: Oberkörper hoch oder spazieren.
KONKRET
Warten Sie mindestens 2 Stunden nach der letzten Mahlzeit, bevor Sie ins Bett gehen. Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper.
4
Rauchstopp:
Nikotin fördert Säure
Warum: Nikotin regt die Magensäureproduktion an und verringert gleichzeitig die Durchblutung der Magenschleimhaut. Rauchen verzögert die Heilung einer Gastritis massiv.
Wie: Sofort aufhören.
KONKRET
Besonders die "Zigarette danach" oder auf nüchternen Magen ist Gift. Versuchen Sie Nikotinpflaster, wenn der kalte Entzug zu schwer ist.
5
Kleidung:
Bauchfreiheit
Warum: Enge Hosenbunde oder Gürtel drücken auf den Magen und erhöhen den intraabdominellen Druck. Das begünstigt Reflux und Magenschmerzen.
Wie: Bequeme Kleidung tragen.
KONKRET
Öffnen Sie beim Essen den Knopf oder tragen Sie zu Hause Jogginghosen. Der Magen braucht Platz zum Arbeiten.
6
Kaugummi meiden:
Luft schlucken
Warum: Kaugummikauen regt über den Speichelfluss die Magensäureproduktion an ("es kommt gleich Essen"), aber es kommt nichts. Die Säure läuft ins Leere. Zudem schluckt man viel Luft.
Wie: Verzicht.
KONKRET
Lutschen Sie lieber milde Kräuterbonbons (ohne Menthol), wenn Sie etwas Geschmack im Mund brauchen.
7
Medikamenten-Check:
Schmerzmittel als Ursache
Warum: NSAR-Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Aspirin hemmen die Schutzschicht des Magens. Sie sind die häufigste Ursache für akute Gastritis.
Wie: Alternativen suchen (Paracetamol).
KONKRET
Wenn Sie Schmerzmittel brauchen, fragen Sie Ihren Arzt nach magenschonenden Alternativen oder nehmen Sie immer einen Magenschutz (Pantoprazol) dazu.
8
Schlafposition:
Links schlafen
Warum: Anatomisch bedingt liegt der Mageneingang auf der rechten Seite höher. Wer auf der linken Seite schläft, erschwert den Rückfluss von Säure in die Speiseröhre (Sodbrennen).
Wie: Linke Seitenlage bevorzugen.
KONKRET
Legen Sie sich ein Kissen in den Rücken, um nachts nicht versehentlich auf die rechte Seite zu rollen.
9
Mundhygiene:
Bakterien schlucken
Warum: Helicobacter pylori ist ein Magenkeim, der oft über den Mund übertragen wird. Gute Mundhygiene reduziert die Keimlast, die man herunterschluckt.
Wie: Zähne putzen und Zunge reinigen.
KONKRET
Nutzen Sie einen Zungenschaber, um Beläge zu entfernen. Wechseln Sie Ihre Zahnbürste nach einer Magen-Darm-Infektion.
10
Geduld:
Heilung braucht Zeit
Warum: Die Magenschleimhaut regeneriert sich zwar schnell (3-5 Tage), aber die Entzündung in der Tiefe braucht oft Wochen. Ein Tag ohne Schmerzen heißt nicht "geheilt".
Wie: Schonkost länger durchhalten.
KONKRET
Bleiben Sie auch 2-3 Tage nach Abklingen der Schmerzen bei leichter Kost. Starten Sie nicht sofort wieder mit Kaffee und Pizza, sonst kommt der Rückfall.
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Frisches Brot:
Hefe gärt nach
Das Problem: Ofenfrisches Brot oder Brötchen liegen schwer im Magen und gären nach. Das verursacht Blähungen und Druckgefühl.
Die Lösung: Altbackenes Brot oder Toast.
KONKRET
Essen Sie Brot vom Vortag oder toasten Sie es. Zwieback ist die sicherste Variante.
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Pfefferminztee:
Säure-Falle für manche
Das Problem: Pfefferminze ist gesund, aber die ätherischen Öle (Menthol) können bei empfindlichem Magen den Schließmuskel entspannen und Sodbrennen fördern.
Die Lösung: Kamille oder Fenchel.
KONKRET
Wenn Sie nach Pfefferminztee Aufstoßen bemerken, wechseln Sie sofort zu Kamillentee.
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Vollkorn-Mythen:
Zu grob reizt
Das Problem: "Vollkorn ist gesund" – ja, aber grobes Pumpernickel oder Körnerbrot wirkt wie Schmirgelpapier auf die entzündete Schleimhaut.
Die Lösung: Fein vermahlenes Mehl.
KONKRET
Nutzen Sie feines Dinkelbrot oder Kartoffeln. In der akuten Phase sind Weißmehlprodukte (Nudeln, Reis) oft besser verträglich als Vollkorn.
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Kaffee mit Milch:
Macht es nicht besser
Das Problem: Viele denken, Milch im Kaffee "puffert" die Säure. Die Röststoffe und das Koffein regen aber trotzdem die Säureproduktion an, egal wie viel Milch drin ist.
Die Lösung: Getreidekaffee.
KONKRET
Trinken Sie Caro-Kaffee oder Lupinenkaffee in der Akutphase. Der Geschmack ist ähnlich, aber es ist absolut säurefrei.
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Kohlensäure:
Der Säure-Booster
Das Problem: Kohlensäure dehnt den Magen (mechanischer Reiz) und ist selbst sauer (chemischer Reiz). Das verstärkt Sodbrennen und Aufstoßen sofort.
Die Lösung: Stilles Wasser.
KONKRET
Gewöhnen Sie sich an Leitungswasser oder stilles Mineralwasser. Wenn es prickeln muss: Sehr mildes Wasser.
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Zu heiß / zu kalt:
Temperatur-Schock
Das Problem: Eisgekühlte Getränke oder kochend heiße Suppe reizen die Schleimhaut durch den Thermoschock. Die Durchblutung ändert sich schlagartig.
Die Lösung: Körperwarm.
KONKRET
Lassen Sie Tee und Suppe kurz abkühlen. Trinken Sie Wasser zimmerwarm, nicht aus dem Kühlschrank.
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Milchprodukte:
Säurelocker
Das Problem: Milch neutralisiert kurzfristig die Säure (tut gut), aber das Calcium und Eiweiß regen danach die Säureproduktion extrem an ("Rebound-Effekt").
Die Lösung: Fettarme Milch in Maßen.
KONKRET
Trinken Sie Milch nicht als Hauptgetränk gegen Sodbrennen. Nutzen Sie lieber Kartoffelsaft oder Heilerde.
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Zitrusfrüchte:
Säure pur
Das Problem: "Heiße Zitrone" ist gut bei Erkältung, aber Gift für Gastritis. Die Fruchtsäure greift die wunde Schleimhaut direkt an.
Die Lösung: Bananen oder Birnen.
KONKRET
Meiden Sie Orangen, Grapefruit und Ananas in der akuten Phase komplett.
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Rauchen:
Durchblutungs-Killer
Das Problem: Nikotin verengt die Blutgefäße im Magen. Die Schleimhaut wird schlechter durchblutet und kann sich nicht regenerieren. Raucher haben viel öfter chronische Gastritis.
Die Lösung: Rauchstopp.
KONKRET
Versuchen Sie zumindest, auf nüchternen Magen nicht zu rauchen. Das ist die schädlichste Zigarette des Tages.
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Spätes Essen:
Nachtarbeit für den Magen
Das Problem: Wer um 21 Uhr noch schwer isst, zwingt den Magen zur Säureproduktion, wenn er eigentlich ruhen sollte. Das führt zu nächtlichem Sodbrennen und Schmerzen.
Die Lösung: 18 Uhr Abendbrot.
KONKRET
Essen Sie 3-4 Stunden vor dem Schlafen nichts mehr. Der Magen sollte leer sein, wenn Sie sich hinlegen.