Herz schützen

Dr. Constanze Lohse
über die richtige Ernährung
für ein starkes Herz

Dr. Lohse ist Allgemeinärztin mit Schwerpunkt Prävention. Sie erklärt, wie Sie durch gezielte Ernährung Ablagerungen in den Gefäßen verhindern, den Blutdruck senken und den Herzmuskel stärken können.
Herzerkrankungen sind oft vermeidbar. Diese 20 Regeln sind Ihr Schutzschild. Sie halten die Gefäße elastisch und verhindern, dass Entzündungen das Herz stressen.
1
Ölwechsel für das Herz:
Omega-3 hält Gefäße sauber
Warum: Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) wirken wie ein Schutzfilm in den Arterien. Sie senken Entzündungen an den Gefäßwänden, halten das Blut flüssiger und senken die Triglyceride (Blutfette). Ein Mangel an Omega-3 ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt.
Wie: Essen Sie 2x pro Woche fetten Fisch (Lachs, Makrele, Hering).
KONKRET
Wenn Sie keinen Fisch mögen: Nehmen Sie täglich einen Esslöffel hochwertiges Algenöl (das ist die pflanzliche Urquelle) oder Fischöl. Leinöl ist gut, reicht aber oft nicht zur vollen Deckung.
2
Cholesterin-Senker:
Haferflocken als Schwamm
Warum: Hafer enthält Beta-Glucan, einen speziellen Ballaststoff. Im Darm bindet Beta-Glucan Gallensäure, die Cholesterin enthält, und scheidet sie aus. Der Körper muss dann neues Cholesterin aus dem Blut verbrauchen, um neue Gallensäure zu bilden – der Spiegel sinkt.
Wie: Essen Sie täglich 40-50g Haferflocken oder Haferkleie.
KONKRET
Machen Sie Porridge (warmen Haferbrei) zum Frühstück. Geben Sie einen Apfel dazu (Pektin senkt Cholesterin ebenfalls). Das ist die effektivste Herz-Frühstücks-Kombi.
3
Blutdruck-Bremse:
Kalium statt Salz
Warum: Salz (Natrium) erhöht den Blutdruck, indem es Wasser bindet. Kalium ist der Gegenspieler: Es hilft den Nieren, überschüssiges Salz auszuscheiden und entspannt die Gefäßwände. Ein ausgewogenes Verhältnis ist wichtiger als reiner Salzverzicht.
Wie: Essen Sie mehr Bananen, Kartoffeln, Aprikosen und Spinat.
KONKRET
Ersetzen Sie Salz beim Kochen durch frische Kräuter und Gewürze. Essen Sie zu jeder salzigen Mahlzeit (z.B. Käsebrot) etwas Kaliumreiches (z.B. Tomate oder Gurke).
4
Gefäß-Polizei:
Dunkle Beeren schützen
Warum: Die Innenwände unserer Adern (Endothel) sind empfindlich. Freie Radikale können sie "zerkratzen", woraufhin sich Cholesterin dort ablagert (Plaque). Antioxidantien in Beeren fangen diese Radikale ab und halten die Wände glatt.
Wie: Eine Handvoll Heidelbeeren, Brombeeren oder Johannisbeeren täglich.
KONKRET
Nutzen Sie Tiefkühl-Beeren im Winter. Sie werden reif geerntet und haben oft mehr Vitamine als frische Importware. Einfach morgens in den Joghurt rühren.
5
Flüssiges Gold:
Olivenöl wie Medizin
Warum: Hochwertiges Olivenöl (Extra Vergine) enthält Oleocanthal. Dieser Stoff wirkt ähnlich wie Ibuprofen entzündungshemmend und verhindert, dass Blutplättchen verklumpen. Es ist ein natürlicher Schutz vor Thrombosen und Schlaganfällen.
Wie: Nutzen Sie es täglich kalt über Salaten oder Gemüse.
KONKRET
Machen Sie den Test: Gutes Olivenöl muss im Hals leicht kratzen. Dieses Kratzen kommt von den Polyphenolen. Wenn es nicht kratzt, ist es wirkungslos oder alt.
6
Salz reduzieren:
Geschmack umtrainieren
Warum: Zu viel Salz erhöht das Blutvolumen, da es Wasser bindet. Das Herz muss gegen einen größeren Widerstand pumpen, der Druck steigt. Fertigprodukte sind die Hauptquelle (verstecktes Salz).
Wie: Kochen Sie frisch und nutzen Sie Kräuter statt Salzstreuer.
KONKRET
Der Geschmackssinn passt sich an. Wenn Sie 2 Wochen lang konsequent weniger salzen, schmecken Ihnen Fertigprodukte plötzlich versalzen. Halten Sie diese 14 Tage durch!
7
Herzrhythmus:
Magnesium für den Takt
Warum: Das Herz ist ein Muskel, der ununterbrochen arbeitet. Magnesium ist essenziell für die Entspannung des Herzmuskels nach jedem Schlag. Ein Mangel kann zu Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck führen.
Wie: Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte und grünes Gemüse.
KONKRET
Kürbiskerne sind echte Magnesium-Bomben. Streuen Sie einen Esslöffel über jeden Salat oder jede Suppe. Das ist der einfachste Weg, den Bedarf zu decken.
8
Knoblauch:
Allicin für den Blutfluss
Warum: Knoblauch enthält Allicin, eine Schwefelverbindung, die die Blutgefäße entspannt und die Durchblutung verbessert. Es wirkt leicht blutverdünnend und senkt den Blutdruck sowie das "schlechte" LDL-Cholesterin.
Wie: Essen Sie regelmäßig frischen Knoblauch (nicht Pulver).
KONKRET
Damit Allicin entsteht, muss der Knoblauch verletzt werden. Pressen oder hacken Sie ihn und lassen Sie ihn 10 Minuten an der Luft liegen, bevor Sie ihn erhitzen. Das aktiviert den Wirkstoff.
9
Süße Medizin:
Dunkle Schokolade hilft
Warum: Kakao ist reich an Flavanolen. Diese Stoffe regen die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO) in den Gefäßwänden an. NO weitet die Adern, das Blut fließt leichter, der Blutdruck sinkt.
Wie: Täglich ein Stück Schokolade mit mindestens 70% Kakaoanteil.
KONKRET
Ersetzen Sie das Dessert durch ein Stück hochwertige Bitterschokolade. Lassen Sie es langsam im Mund zergehen. Milchschokolade hat diesen Effekt wegen des hohen Zuckers und niedrigen Kakaos nicht.
10
Nüsse knacken:
Walnüsse für die Arterien
Warum: Walnüsse sind die einzigen Nüsse mit einem signifikanten Anteil an Alpha-Linolensäure (pflanzliches Omega-3). Studien zeigen, dass der regelmäßige Verzehr die Elastizität der Blutgefäße verbessert und Entzündungen senkt.
Wie: 3-4 Walnüsse pro Tag.
KONKRET
Lagern Sie Walnüsse im Kühlschrank oder knacken Sie sie frisch. Die gesunden Fette werden bei Raumtemperatur schnell ranzig, was den positiven Effekt umkehren kann.
1
Cardio-Training:
Den Motor pflegen
Warum: Das Herz ist ein Muskel. Wie jeder Muskel muss es trainiert werden, um stark zu bleiben. Ausdauersport lässt neue kleine Blutgefäße (Kapillaren) wachsen und senkt den Ruhepuls. Ein trainiertes Herz muss weniger oft schlagen und hält länger.
Wie: 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche.
KONKRET
Es muss kein Marathon sein. 30 Minuten zügiges Gehen am Tag (so, dass Sie leicht außer Atem kommen, aber noch sprechen können) senken das Herzinfarktrisiko bereits massiv.
2
Stress-Management:
Druck rausnehmen
Warum: Chronischer Stress flutet den Körper mit Cortisol und Adrenalin. Diese Hormone verengen die Blutgefäße und lassen das Herz schneller und härter schlagen. Dauerstress ist pures Gift für das Herz-Kreislauf-System.
Wie: Finden Sie ein Ventil (Yoga, Meditation, Wald).
KONKRET
Nutzen Sie die 4-7-8 Atmung bei akutem Stress: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen. Das aktiviert den Parasympathikus und senkt den Blutdruck sofort.
3
Schlaf-Hygiene:
Nachts sinkt der Druck
Warum: Im Schlaf sinkt der Blutdruck physiologisch ab ("Dipping"). Das ist die wichtigste Erholungsphase für die Gefäße. Wer zu wenig schläft oder Schlafapnoe (Schnarchen mit Aussetzern) hat, beraubt sein Herz dieser Pause.
Wie: 7-8 Stunden Schlaf priorisieren.
KONKRET
Wenn Sie laut schnarchen und morgens wie gerädert aufwachen, gehen Sie zum Arzt. Unbehandelte Schlafapnoe ist einer der größten Risikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt.
4
Rauchstopp:
Sofortige Wirkung
Warum: Nikotin verengt die Gefäße sofort und schädigt die Innenwände. Rauchen ist der Risikofaktor Nummer 1. Die gute Nachricht: Schon 20 Minuten nach der letzten Zigarette sinkt der Blutdruck. Nach 1 Jahr halbiert sich das Herzinfarktrisiko.
Wie: Hören Sie auf. Heute.
KONKRET
Suchen Sie sich professionelle Hilfe oder nutzen Sie Nikotinersatzprodukte, um den Entzug zu erleichtern. Jeder Tag ohne Rauch ist ein gewonnener Tag für Ihr Herz.
5
Zahn-Gesundheit:
Bakterien im Blut
Warum: Chronische Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) sind gefährlich. Die Bakterien aus dem Mund können in die Blutbahn gelangen und sich an den Herzklappen oder in den Gefäßen festsetzen, was Entzündungen und Arteriosklerose fördert.
Wie: Zahnseide und professionelle Reinigung.
KONKRET
Benutzen Sie täglich Zahnzwischenraumbürsten oder Zahnseide. Gehen Sie 2x im Jahr zur Kontrolle. Herzgesundheit beginnt im Mund.
6
Bauchumfang:
Gefährliches Viszeralfett
Warum: Fett ist nicht gleich Fett. Das Fett am Bauch (viszerales Fett) umschließt die Organe und ist hochaktiv. Es sendet ständig Entzündungsbotenstoffe ins Blut, die die Gefäße schädigen. Bauchumfang ist wichtiger als BMI.
Wie: Maßband statt Waage.
KONKRET
Messen Sie Ihren Bauchumfang (auf Nabelhöhe). Frauen sollten unter 88cm, Männer unter 102cm liegen. Jeder Zentimeter weniger senkt das Risiko.
7
Sauna:
Gefäßtraining
Warum: Regelmäßiges Saunieren wirkt wie Sport auf die Gefäße. Die Hitze weitet sie, die Kälte danach zieht sie zusammen. Das hält die Gefäßwände elastisch und senkt langfristig den Blutdruck.
Wie: 1-2 Mal pro Woche (nach ärztlicher Rücksprache).
KONKRET
Wenn Sie Herzprobleme haben, meiden Sie das eiskalte Tauchbecken (Schockgefahr). Kühlen Sie sich sanft an der frischen Luft oder mit einem Kneipp-Schlauch ab.
8
Sitzen unterbrechen:
Blutfluss anregen
Warum: Langes Sitzen lässt das Blut in den Beinen versacken und verlangsamt den Rückstrom zum Herzen. Die Gefäßfunktion leidet schon nach 1 Stunde Sitzen.
Wie: Stehen Sie jede Stunde auf.
KONKRET
Telefonieren Sie im Stehen. Nutzen Sie eine kleine Wasserflasche am Schreibtisch, damit Sie öfter zum Wasserspender laufen müssen. Bewegung ist die Pumpe für Ihre Venen.
9
Einsamkeit:
Ein gebrochenes Herz
Warum: Soziale Isolation ist ein genauso starker Risikofaktor wie Rauchen. Einsamkeit erhöht das Stresslevel und Entzündungen im Körper. "Broken Heart Syndrome" ist eine echte medizinische Diagnose.
Wie: Pflegen Sie Freundschaften.
KONKRET
Treffen Sie Menschen im echten Leben, nicht nur online. Ein Haustier kann ebenfalls helfen, Stress abzubauen und Gesellschaft zu leisten.
10
Vorsorge:
Kennen Sie Ihre Werte?
Warum: Hoher Blutdruck und hohes Cholesterin tun nicht weh. Man merkt sie erst, wenn es zu spät ist (Herzinfarkt, Schlaganfall).
Wie: Regelmäßige Check-ups ab 35.
KONKRET
Kaufen Sie sich ein Blutdruckmessgerät für zuhause. Messen Sie ab und zu in Ruhe. Kennen Sie Ihre Cholesterinwerte (LDL/HDL). Wissen ist Macht.
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Transfette:
Der Gefäß-Killer Nr. 1
Das Problem: Gehärtete Fette (in Frittiertem, Chips, Fertigbackwaren) erhöhen das schlechte LDL-Cholesterin und senken das gute HDL. Sie fördern Entzündungen und verhärten die Arterien massiv.
Die Lösung: Zutatenliste checken ("gehärtete Fette").
KONKRET
Meiden Sie Croissants, Donuts und Pommes aus der Fritteuse. Essen Sie lieber selbstgebackenen Kuchen oder Ofenkartoffeln mit gutem Öl.
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Schnarchen ignorieren:
Schlafapnoe
Das Problem: Wer nachts Atemaussetzer hat, setzt seinen Körper unter extremen Stress. Der Blutdruck steigt nachts an, statt zu sinken. Das Risiko für Herzinfarkt am Morgen ist stark erhöht.
Die Lösung: Schlaflabor.
KONKRET
Wenn Ihr Partner sagt, dass Sie Atemaussetzer haben, gehen Sie zum Arzt. Eine Maske oder Schiene kann Ihr Herz retten.
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Alkohol:
"Holiday Heart Syndrome"
Das Problem: Schon moderate Mengen Alkohol erhöhen den Blutdruck und können Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) auslösen – besonders am Wochenende ("Holiday Heart").
Die Lösung: Weniger ist mehr.
KONKRET
Trinken Sie Alkohol nur zu besonderen Anlässen und immer mit viel Wasser dazu. Vermeiden Sie "Komasaufen" (Binge Drinking) um jeden Preis.
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Blutdruck ignorieren:
Der "stille Killer"
Das Problem: Viele Menschen laufen jahrelang mit Bluthochdruck herum, ohne es zu wissen, weil er nicht weh tut. In dieser Zeit schädigt der Druck aber bereits massiv die Gefäße und Organe.
Die Lösung: Messen!
KONKRET
Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie sich "gut fühlen". Messen Sie ab 40 Jahren regelmäßig nach. Werte über 140/90 müssen behandelt werden (Lifestyle oder Medikamente).
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Couch-Potato:
Das Herz verkümmert
Das Problem: Ein untrainiertes Herz muss öfter schlagen, um die gleiche Menge Blut zu pumpen. Das verschleißt das Organ schneller. Bewegungsmangel ist so schädlich wie Rauchen.
Die Lösung: Jeder Schritt zählt.
KONKRET
Nehmen Sie immer die Treppe. Parken Sie das Auto weiter weg. Bauen Sie Bewegung in den Alltag ein, statt auf das "perfekte" Fitnessstudio-Training zu warten.
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Dauerstress:
Druck auf dem Kessel
Das Problem: Wer nie abschaltet, hält seinen Körper im permanenten Kampfmodus. Der Blutdruck bleibt hoch, Entzündungen heilen nicht aus. Burnout führt oft zu Herzproblemen.
Die Lösung: Pausen sind Pflicht.
KONKRET
Lernen Sie "Nein" zu sagen. Planen Sie Erholungszeiten fest in den Kalender ein wie Geschäftstermine.
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Zucker:
Gefäßwände karamellisieren
Das Problem: Zu viel Zucker im Blut führt zur Glykation (Verzuckerung) der Gefäßwände. Sie werden starr und brüchig, was zu Bluthochdruck und Arteriosklerose führt.
Die Lösung: Süßes reduzieren.
KONKRET
Meiden Sie Softdrinks und Säfte. Sie sind Zuckerbomben, die direkt ins Blut schießen. Essen Sie Obst am Stück (mit Fasern) statt es zu trinken.
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Verarbeitetes Fleisch:
Salz und Nitrate
Das Problem: Wurst, Schinken und Bacon sind krebserregend und schlecht fürs Herz. Sie enthalten extrem viel Salz und Konservierungsstoffe, die die Gefäße schädigen.
Die Lösung: Frisches Fleisch oder Pflanzliches.
KONKRET
Essen Sie Wurst nur als seltene Ausnahme. Ein selbstgemachter Bratenaufschnitt oder Käse sind bessere Alternativen fürs Brot.
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Genetik ignorieren:
Familienrisiko
Das Problem: "Mein Opa hatte das auch, da kann ich nichts machen." Falsch. Gene laden die Waffe, aber der Lebensstil drückt den Abzug. Wer vorbelastet ist, muss *besonders* aufpassen, ist aber nicht hilflos.
Die Lösung: Früher zur Vorsorge.
KONKRET
Wenn es Herzinfarkte in der Familie gab, lassen Sie schon ab 30 Ihr Lipoprotein(a) bestimmen. Das ist ein genetischer Risikofaktor, den man kennen sollte.
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Krank trainieren:
Myokarditis riskieren
Das Problem: Wer mit Grippe oder Fieber Sport macht ("ausschwitzen"), riskiert, dass die Viren das Herz angreifen. Eine Herzmuskelentzündung ist lebensgefährlich und oft Folge von falschem Ehrgeiz.
Die Lösung: Pause bei Infekt.
KONKRET
Bei Fieber: Absolutes Sportverbot! Warten Sie nach dem Abklingen der Symptome noch mindestens 3-7 Tage, bevor Sie wieder langsam (!) einsteigen.