v9.6

Konzentration & Lernen

Dr. Constanze Lohse
über den besten Treibstoff
für kleine Superhirne

Dr. Constanze Lohse ist Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg, spezialisiert auf Prävention, und bekannt als TV-Ärztin und Buchautorin. Sie erklärt, wie gezieltes "Brainfood" die Gehirnleistung steigern, Konzentrationslöcher vermeiden und das Gedächtnis Ihrer Kinder unterstützen kann.
Das Gehirn macht zwar nur 2% des Körpergewichts aus, verbraucht aber 20% der Energie. Ohne den richtigen Treibstoff fängt der Motor an zu stottern – und das sehen wir dann als Konzentrationsschwäche bei den Hausaufgaben.
1
Komplexe Kohlenhydrate: Konstante Energie
Warum: Das Gehirn braucht Glukose (Zucker) als Energie. Einfacher Zucker (Süßigkeiten) lässt den Blutzucker rasen und abstürzen -> Konzentrationsloch. Vollkornprodukte geben Glukose langsam und stetig ab.
Wie: Haferflocken, Vollkornbrot, Naturreis.
KONKRET
Starten Sie den Tag mit einem warmen Porridge oder Müsli. Das hält den Blutzucker über den ganzen Vormittag stabil und verhindert den "Hungerast" in der 3. Stunde.
2
Wasser trinken: Das Gehirn nicht austrocknen
Warum: Das Gehirn besteht zu einem Großteil aus Wasser. Schon ein Flüssigkeitsverlust von 2% vermindert die Denkleistung und führt zu Kopfschmerzen.
Wie: Trinken, bevor der Durst kommt.
KONKRET
Stellen Sie bei den Hausaufgaben immer eine gefüllte Wasserflasche direkt auf den Schreibtisch. Das Kind trinkt dann automatisch, ohne nachdenken zu müssen.
3
Omega-3-Fettsäuren: Baustoff für Nerven
Warum: DHA (eine Omega-3-Fettsäure) ist ein Hauptbestandteil der Zellmembranen im Gehirn. Es sorgt für eine schnelle Signalübertragung zwischen den Nervenzellen.
Wie: Walnüsse, fettreicher Fisch (Lachs), Leinöl.
KONKRET
Geben Sie eine kleine Dose mit "Studentenfutter" (Nüsse & Trockenobst) als Snack mit in die Schule. Das ist das klassische Brainfood.
4
Frühstück: Kein Start mit leerem Tank
Warum: Studien belegen eindeutig: Kinder, die frühstücken, schreiben bessere Noten. Ohne Energie kann das Gehirn morgens keine Informationen speichern.
Wie: Zumindest eine Kleinigkeit essen.
KONKRET
Wenn morgens kein Hunger da ist: Ein selbstgemachter Smoothie mit Banane, Haferflocken und Milch oder Kakao reicht für den Anfang.
5
Eisen: Sauerstofftransport sichern
Warum: Eisen transportiert Sauerstoff ins Gehirn. Eisenmangel ist bei Kindern häufig und führt zu Müdigkeit, Unlust und Konzentrationsschwäche.
Wie: Fleisch, Hirse, Hafer, grünes Blattgemüse.
KONKRET
Trinken Sie zum Müsli (Hafer = Eisen) ein Glas Orangensaft (Vitamin C). Das Vitamin C hilft dem Körper, das pflanzliche Eisen 3-4 mal besser aufzunehmen.
6
B-Vitamine: Starke Nerven
Warum: Der Vitamin-B-Komplex (B1, B6, B12) ist entscheidend für die Reizübertragung und die Nervenfunktion. Ein Mangel macht unruhig und reizbar.
Wie: Vollkornprodukte, Nüsse, Milch, Fleisch.
KONKRET
Eine Scheibe Vollkornbrot mit Käse ist die perfekte B-Vitamin-Kombi. Nüsse sind der ideale Snack für zwischendurch.
7
Beeren: Schutz für die Gehirnzellen
Warum: Blaubeeren und andere dunkle Beeren enthalten Anthocyane. Diese Antioxidantien fördern die Durchblutung im Gehirn und schützen vor Stress.
Wie: Eine Handvoll Beeren täglich.
KONKRET
Nutzen Sie im Winter tiefgekühlte Beeren (ungesüßt) für Joghurt oder Porridge. Sie sind genauso gesund wie frische.
8
Eier: Cholin fürs Gedächtnis
Warum: Eigelb enthält Cholin, einen Stoff, der für die Entwicklung des Gedächtniszentrums (Hippocampus) wichtig ist.
Wie: Regelmäßig Eier essen.
KONKRET
Ein hartgekochtes Ei ist ein praktischer Snack für die Brotdose oder als schnelles Frühstück.
9
Zusatzstoffe meiden: Chemischer Stress
Warum: Bestimmte Farbstoffe (Azofarbstoffe) und Konservierungsstoffe stehen im Verdacht, Hyperaktivität zu fördern und die Konzentration zu stören.
Wie: Möglichst frisch und unverarbeitet kochen.
KONKRET
Vermeiden Sie quietschbunte Süßigkeiten und Getränke. Schauen Sie auf die Zutatenliste: Je kürzer, desto besser.
10
Mahlzeiten-Rhythmus: Struktur gibt Sicherheit
Warum: Regelmäßiges Essen verhindert Blutzucker-Tiefs. Ein Kind, das hungrig ist ("hangry"), kann nicht stillsitzen und lernen.
Wie: 5 Mahlzeiten am Tag (3 Haupt-, 2 Zwischenmahlzeiten).
KONKRET
Planen Sie nach der Schule und vor den Hausaufgaben eine kleine Snack-Pause ein, um die Batterien aufzuladen.
1
Schlaf: Das Gehirn räumt auf
Warum: Im Schlaf werden Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis verschoben. Wer zu wenig schläft, vergisst das Gelernte sofort wieder.
Wie: Feste Schlafzeiten einhalten.
KONKRET
Achten Sie darauf, dass Ihr Kind genug schläft (Grundschüler ca. 10-11 Std.). Vokabeln lernen bringt am meisten direkt vor dem Schlafen.
2
Bewegung: Sauerstoff fürs Hirn
Warum: Bewegung pumpt Sauerstoff ins Gehirn und baut Stresshormone ab, die das Lernen blockieren.
Wie: Vor den Hausaufgaben toben.
KONKRET
Lassen Sie das Kind nach der Schule erst 30 Minuten spielen oder rennen, bevor es sich an den Schreibtisch setzt.
3
Frische Luft: Stoßlüften
Warum: Ein hoher CO2-Gehalt im Zimmer macht müde ("Dicke Luft"). Das Gehirn braucht Sauerstoff zum Arbeiten.
Wie: Fenster aufreißen.
KONKRET
Lüften Sie das Kinderzimmer alle 45-60 Minuten für 5 Minuten komplett durch (Stoßlüften).
4
Struktur & Rituale: Gehirn entlasten
Warum: Wenn der Ablauf immer gleich ist, muss das Gehirn keine Energie für die Planung verschwenden ("Wann mach ich was?").
Wie: Feste Lernzeiten.
KONKRET
Etablieren Sie eine Routine: Schule -> Essen -> Pause -> Hausaufgaben -> Freizeit.
5
Pausen machen: Die Pomodoro-Technik
Warum: Kinder können sich je nach Alter nur 15-20 Minuten am Stück voll konzentrieren. Danach sinkt die Leistung.
Wie: Lernen in Intervallen.
KONKRET
Stellen Sie einen Wecker: 20 Minuten arbeiten, 5 Minuten Pause (aufstehen, trinken, strecken).
6
Digital Detox: Reizüberflutung vermeiden
Warum: Bildschirme (TV, Tablet) vor den Hausaufgaben ermüden das Gehirn durch schnelle Reize. Konzentration fällt danach schwerer.
Wie: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
KONKRET
Medienzeit erst NACH den Hausaufgaben. Während des Lernens: Handy in einen anderen Raum.
7
Arbeitsplatz: Ruhe schaffen
Warum: Unordnung und Lärm lenken ab. Das Gehirn muss Energie aufwenden, um Störungen auszublenden.
Wie: Leerer Tisch, ruhiger Raum.
KONKRET
Nur das auf den Tisch legen, was für die aktuelle Aufgabe nötig ist. Geschwister sollten nicht im selben Raum spielen.
8
Stressabbau: Druck rausnehmen
Warum: Angst blockiert das Denken ("Blackout"). Entspannte Kinder lernen besser.
Wie: Positives Feedback.
KONKRET
Loben Sie die Anstrengung ("Toll, wie du geübt hast"), nicht nur die Note. Das nimmt die Angst vor Fehlern.
9
Belohnungssystem: Motivation
Warum: Das Gehirn liebt Belohnungen (Dopamin). Aussicht auf Schönes motiviert zum Durchhalten.
Wie: Aktivitäten statt Süßigkeiten.
KONKRET
"Wenn wir fertig sind, gehen wir Fußball spielen / lesen wir ein Buch." Belohnen Sie nicht mit Essen.
10
Natur: Der beste Ausgleich
Warum: Zeit im Grünen senkt Stresshormone nachweislich und füllt die Speicher für Aufmerksamkeit wieder auf.
Wie: Täglich raus.
KONKRET
Ein kurzer Spaziergang im Park vor den Hausaufgaben kann Wunder wirken.
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Mit leerem Magen lernen: Konzentrationsloch
Das Problem: Wer hungrig lernt, denkt langsamer und wird schneller wütend. Das Gehirn hat keinen Treibstoff.
Die Lösung: Kleiner Snack vorweg.
KONKRET
Geben Sie vor den Hausaufgaben immer eine Kleinigkeit (Apfel, Nüsse) zu essen.
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Zucker-Snacks: Der schnelle Absturz
Das Problem: Gummibärchen geben Energie für 20 Minuten, danach folgt das "Zucker-Koma" (Unterzuckerung) und Müdigkeit.
Die Lösung: Nüsse & Obst.
KONKRET
Vermeiden Sie Süßes während der Lernzeit.
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Energy Drinks: Gift für Kinder
Das Problem: Koffein und Zucker machen hibbelig, stören den Schlaf und führen zu Herzrasen. Sie sind für Kinder ungeeignet.
Die Lösung: Verbot.
KONKRET
Klären Sie über die Gefahren auf. Energy Drinks haben im Kinderzimmer nichts verloren.
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Zu wenig Trinken: Kopfschmerz
Das Problem: Kinder vergessen das Trinken. Dehydrierung ist die häufigste Ursache für Konzentrationsmangel.
Die Lösung: Volle Flasche.
KONKRET
Stellen Sie Wasser direkt an den Arbeitsplatz.
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Multitasking: Handy am Tisch
Das Problem: Wer gleichzeitig lernt und chattet, lernt nicht. Das Gehirn kann nicht multitasken.
Die Lösung: Handy weg.
KONKRET
Das Handy bleibt während der Lernzeit in einem anderen Raum.
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Eisenmangel übersehen: Dauermüde
Das Problem: Wenn das Kind ständig müde und blass ist, kann Eisenmangel dahinterstecken. Das bremst die Hirnleistung.
Die Lösung: Arztbesuch.
KONKRET
Lassen Sie bei Verdacht den Ferritin-Wert prüfen.
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Schweres Mittagessen: Schnitzelkoma
Das Problem: Fettiges, schweres Essen (Pizza, Schnitzel) zieht das Blut in den Magen. Der Kopf wird müde.
Die Lösung: Leichtes Lunch.
KONKRET
Mittags lieber Nudeln mit Tomatensoße oder Gemüse als fettes Fleisch.
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Druck und Stress: Angst blockiert
Das Problem: Zu viel Leistungsdruck erzeugt Cortisol, das das Denken blockiert ("Blackout").
Die Lösung: Entspannung.
KONKRET
Loben Sie Anstrengung, nicht nur Noten. Schaffen Sie Pausen.
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Unregelmäßigkeit: Rhythmus fehlt
Das Problem: Lernen mal hier, mal da, mal spät abends. Das Gehirn braucht Routinen.
Die Lösung: Feste Lernzeiten.
KONKRET
Immer zur gleichen Zeit Hausaufgaben machen hilft, schneller "in den Modus" zu kommen.
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Allergien ignorieren: Versteckte Bremse
Das Problem: Unerkannte Unverträglichkeiten (Gluten, Laktose) können müde und unkonzentriert machen.
Die Lösung: Symptom-Check.
KONKRET
Bei chronischer Müdigkeit oder Bauchweh nach dem Essen: Arzt aufsuchen.