Krebsprävention

Dr. Constanze Lohse
über Ernährung zur
Stärkung der Zellen

Dr. Constanze Lohse ist Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg, spezialisiert auf Prävention, und bekannt als TV-Ärztin und Buchautorin. Sie erklärt, wie Sie mit der richtigen Ernährung Ihr Immunsystem im Kampf gegen entartete Zellen unterstützen können.
Wir essen jeden Tag Informationen. Jeder Bissen entscheidet mit darüber, ob wir Entzündungen im Körper anfeuern oder löschen. Eine pflanzenbasierte Ernährung ist der beste Schutzschild, den wir haben.
1
Brokkoli & Co:
Der Zellschutz-Champion
Warum: Kreuzblütler (Brokkoli, Blumenkohl, Kohl) enthalten Sulforaphan. Dieser Stoff aktiviert die Entgiftungsenzyme in der Leber und kann kranke Zellen dazu bringen, sich selbst zu zerstören (Apoptose). Er wirkt wie ein "Aufräumkommando".
Wie: Essen Sie täglich eine Portion Kohl.
KONKRET
Dämpfen Sie Brokkoli nur kurz (3-4 Minuten), damit das hitzeempfindliche Enzym Myrosinase erhalten bleibt. Oder essen Sie Brokkolisprossen – sie enthalten bis zu 100-mal mehr Sulforaphan als der Kohlkopf.
2
Beeren-Power:
DNA-Schutz aus der Natur
Warum: Himbeeren, Erdbeeren und Blaubeeren enthalten Ellagsäure und Anthocyane. Diese Stoffe können verhindern, dass Tumore neue Blutgefäße bilden (Anti-Angiogenese), um sich zu versorgen. Sie "hungern" den Tumor aus.
Wie: Eine Handvoll Beeren täglich (auch tiefgekühlt).
KONKRET
Kombinieren Sie Beeren im Müsli oder Smoothie. Je dunkler die Beere, desto höher der Gehalt an schützenden Farbstoffen. Bio-Qualität ist wichtig, um Pestizide zu vermeiden.
3
Kurkuma nutzen:
Gelbes Gold gegen Entzündung
Warum: Chronische Entzündungen sind der Nährboden für Krebs. Curcumin (der Wirkstoff in Kurkuma) ist einer der stärksten natürlichen Entzündungshemmer. Es kann das Wachstum von Krebszellen in Laborstudien hemmen.
Wie: Täglich 1 Teelöffel Kurkuma ins Essen oder als "Goldene Milch".
KONKRET
Wichtig: Der Körper kann Curcumin nur schwer aufnehmen. Mischen Sie es immer mit einer Prise schwarzem Pfeffer (Piperin) und etwas Öl (Fett). Das steigert die Aufnahme um das 2000-fache.
4
Zucker reduzieren:
Treibstoff entziehen
Warum: Krebszellen verbrauchen viel mehr Glukose als gesunde Zellen (Warburg-Effekt). Zudem treibt Zucker den Insulinspiegel und den Wachstumsfaktor IGF-1 in die Höhe, was Zellteilung und Tumorwachstum fördern kann.
Wie: Meiden Sie Haushaltszucker, Softdrinks und Weißmehl.
KONKRET
Ersetzen Sie Zucker durch Beeren oder nutzen Sie sparsam Erythrit/Stevia. Eine kohlenhydratarme Ernährung (Low Carb) kann den Stoffwechsel entlasten und Entzündungen senken.
5
Grüner Tee:
EGCG schützt Zellen
Warum: Die im grünen Tee enthaltenen Catechine (besonders EGCG) können verhindern, dass Tumorzellen in gesundes Gewebe eindringen. Sie blockieren Enzyme, die Krebszellen zur Ausbreitung brauchen.
Wie: Trinken Sie 2-3 Tassen japanischen Grüntee (Sencha, Matcha) täglich.
KONKRET
Lassen Sie den Tee ca. 8-10 Minuten ziehen, um möglichst viele Catechine zu lösen. Trinken Sie ihn frisch, da die Stoffe an der Luft oxidieren.
6
Ballaststoffe:
Darmpolizei füttern
Warum: Ballaststoffe binden Giftstoffe im Darm und sorgen für eine schnelle Ausscheidung. Zudem füttern sie gute Darmbakterien, die Butyrat herstellen – eine Fettsäure, die Darmkrebszellen am Wachstum hindert.
Wie: 30g Ballaststoffe täglich (Vollkorn, Leinsamen, Hülsenfrüchte).
KONKRET
Essen Sie täglich einen "Darm-Schutz-Löffel": Ein Esslöffel geschrotete Leinsamen ins Müsli oder den Joghurt. Dazu viel trinken!
7
Zwiebeln & Knoblauch:
Schwefelverbindungen
Warum: Allium-Gemüse enthält Schwefelverbindungen (wie Allicin), die das Immunsystem stimulieren und die Reparaturmechanismen der DNA unterstützen. Sie können krebserregende Stoffe (z.B. aus Fleisch) neutralisieren.
Wie: Verwenden Sie täglich Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch oder Lauch.
KONKRET
Lassen Sie Knoblauch nach dem Schneiden oder Pressen 10 Minuten an der Luft liegen, bevor Sie ihn erhitzen. So bildet sich das wertvolle Allicin erst vollständig aus.
8
Fleisch reduzieren:
WHO-Warnung ernst nehmen
Warum: Die WHO stuft verarbeitetes Fleisch (Wurst, Schinken) als "krebserregend" und rotes Fleisch als "wahrscheinlich krebserregend" ein (besonders für Darmkrebs). Das Häm-Eisen und Nitrite schädigen die Zellen.
Wie: Maximal 300g Fleisch pro Woche, Wurst meiden.
KONKRET
Ersetzen Sie Fleisch durch pflanzliche Proteine wie Linsen, Bohnen oder Tofu. Diese liefern zusätzlich Ballaststoffe und Schutzstoffe, die im Fleisch fehlen.
9
Omega-3:
Entzündung stoppen
Warum: Omega-3-Fettsäuren (aus Fisch oder Algen) bilden Botenstoffe (Resolvine), die Entzündungen im Körper aktiv beenden. Omega-6 (Sonnenblumenöl) hingegen fördert Entzündungen. Ein gutes Verhältnis ist entscheidend.
Wie: Algenöl, Leinöl, Walnüsse oder fetter Seefisch.
KONKRET
Nutzen Sie für Salate Leinöl oder Walnussöl. Braten Sie mit Rapsöl oder Olivenöl. Verbannen Sie Sonnenblumen- und Distelöl aus Ihrer Küche.
10
Intervallfasten:
Zellreinigung aktivieren
Warum: In Essenspausen schaltet der Körper auf "Reparatur" (Autophagie). Dabei werden defekte Zellbestandteile und Proteine recycelt und abgebaut. Dieser Prozess reinigt die Zellen und schützt vor Entartung.
Wie: 13-16 Stunden über Nacht fasten (z.B. 19 Uhr bis 10 Uhr).
KONKRET
Versuchen Sie, nach dem Abendessen nichts mehr zu snacken. Trinken Sie morgens erst Tee oder Wasser, bevor Sie frühstücken. Geben Sie dem Körper Zeit zur Selbstreinigung.
1
Bewegung:
Immunsystem stärken
Warum: Sport mobilisiert die "natürlichen Killerzellen" des Immunsystems, die entartete Zellen erkennen und vernichten. Bewegung senkt zudem den Insulinspiegel und Entzündungen.
Wie: 30 Minuten moderate Bewegung täglich (Gehen, Radfahren).
KONKRET
Sie müssen keinen Marathon laufen. Ein strammer Spaziergang, bei dem Sie leicht außer Atem kommen, ist ideal. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Intensität.
2
Schlaf:
Melatonin schützt
Warum: Das Schlafhormon Melatonin ist ein starkes Antioxidans und schützt die DNA. Im Schlaf finden wichtige Reparaturprozesse statt. Schichtarbeit (Licht in der Nacht) gilt als Risikofaktor.
Wie: Dunkles Schlafzimmer, 7-8 Stunden Schlaf.
KONKRET
Vermeiden Sie blaues Licht (Handy, TV) eine Stunde vor dem Schlafen. Schlafen Sie in absoluter Dunkelheit, um die Melatoninproduktion zu maximieren.
3
Vitamin D:
Der Zell-Regulator
Warum: Vitamin D ist eigentlich ein Hormon, das das Zellwachstum steuert und dem Immunsystem hilft, "Feinde" zu erkennen. Ein guter Spiegel korreliert statistisch mit einem niedrigeren Krebsrisiko.
Wie: Supplementieren (nach Test) und Sonne.
KONKRET
Lassen Sie Ihren Spiegel im Winter messen. Ein Wert von 40-60 ng/ml ist ideal. Nehmen Sie Vitamin D immer zu einer fetthaltigen Mahlzeit ein.
4
Gewicht halten:
Bauchfett ist gefährlich
Warum: Fettgewebe, besonders am Bauch, produziert Hormone (Östrogen) und Entzündungsbotenstoffe, die Krebs begünstigen können. Übergewicht ist nach Rauchen der größte vermeidbare Risikofaktor.
Wie: BMI im Normalbereich (18,5-25).
KONKRET
Fokussieren Sie sich auf den Bauchumfang. Bei Frauen sollte er unter 88 cm, bei Männern unter 102 cm liegen, um das Risiko zu minimieren.
5
Alkoholverzicht:
Jedes Glas zählt
Warum: Alkohol wird im Körper zu Acetaldehyd abgebaut, einem Zellgift, das die DNA direkt schädigen kann. Schon geringe Mengen erhöhen das Risiko für Brust- und Speiseröhrenkrebs.
Wie: So wenig wie möglich.
KONKRET
Trinken Sie Alkohol nicht täglich, sondern nur zu besonderen Anlässen. Legen Sie mindestens 3-4 alkoholfreie Tage pro Woche ein.
6
Stress reduzieren:
Immunsystem entlasten
Warum: Chronischer Stress erhöht Cortisol. Cortisol unterdrückt das Immunsystem – genau die Zellen (NK-Zellen), die wir zur Tumorabwehr brauchen, werden geschwächt.
Wie: Entspannungstechniken (Yoga, Meditation).
KONKRET
5 Minuten tiefes Atmen oder Waldbaden ("Shinrin Yoku") senken nachweislich Stresshormone und erhöhen die Zahl der Killerzellen.
7
Plastik meiden:
Hormonelle Störer
Warum: Chemikalien wie BPA oder Phthalate in Plastik können wie Hormone wirken (Xenoestrogene) und hormonabhängige Krebsarten begünstigen.
Wie: Glas und Edelstahl statt Plastik.
KONKRET
Trinken Sie aus Glasflaschen. Erhitzen Sie Essen niemals in Plastikbehältern in der Mikrowelle, da sich dort Chemikalien lösen.
8
Nicht rauchen:
Der wichtigste Schritt
Warum: Tabakrauch enthält über 70 krebserregende Stoffe. Rauchen ist für 30% aller Krebstodesfälle verantwortlich, nicht nur Lungenkrebs.
Wie: Rauchstopp, sofort.
KONKRET
Es ist nie zu spät. Schon nach wenigen Jahren sinkt das Risiko deutlich. Meiden Sie auch Passivrauch.
9
Sonnenschutz:
Balance finden
Warum: UV-Strahlung ist die Hauptursache für Hautkrebs. Sonnenbrand in der Kindheit vergisst die Haut nie. Gleichzeitig brauchen wir Sonne für Vitamin D.
Wie: Schatten und Kleidung nutzen.
KONKRET
Meiden Sie die Mittagssonne (11-15 Uhr). Nutzen Sie Sonnencreme, aber bedenken Sie, dass sie die Vitamin-D-Bildung blockiert. Kurze, ungeschützte Zeiten sind okay, aber niemals bis zur Rötung!
10
Vorsorge:
Früherkennung rettet Leben
Warum: Viele Krebsarten (Darm, Brust, Haut) sind heilbar, wenn sie früh entdeckt werden. Vorsorge ist der wichtigste Teil des Lifestyles.
Wie: Nutzen Sie die empfohlenen Screenings.
KONKRET
Gehen Sie zur Darmspiegelung (ab 50), zum Hautscreening und zur gynäkologischen/urologischen Kontrolle. Angst vor der Diagnose ist der schlechteste Ratgeber.
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Wurstwaren:
Das Nitrit-Problem
Das Problem: Gepökeltes Fleisch (Schinken, Salami, Speck) enthält Nitritpökelsalz. Im Körper können daraus krebserregende Nitrosamine entstehen.
Die Lösung: Verzicht oder Bio.
KONKRET
Essen Sie Wurst nur als seltene Ausnahme. Frisches, unverarbeitetes Fleisch (Geflügel) ist die bessere Wahl.
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Verbranntes Grillen:
Schwarze Kruste ist Gift
Das Problem: Wenn Fett in die Glut tropft oder Fleisch verkohlt, entstehen PAKs und HCA – beides hochgradig krebserregende Stoffgruppen.
Die Lösung: Schonendes Garen.
KONKRET
Schneiden Sie schwarze Stellen immer großzügig weg. Marinieren Sie Fleisch mit Kräutern (Rosmarin), das reduziert die Bildung von Schadstoffen.
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Supplements statt Essen:
Die Pille kann es nicht
Das Problem: Viele schlucken Vitaminpillen (z.B. Beta-Carotin) zur Vorbeugung. Studien zeigen, dass isolierte Vitamine oft wirkungslos sind oder sogar schaden können (z.B. bei Rauchern).
Die Lösung: Echtes Essen.
KONKRET
Der Apfel wirkt durch das Zusammenspiel von tausenden Stoffen, nicht nur durch Vitamin C. Essen Sie das Original, keine Tabletten (außer Vitamin D).
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Zucker in Getränken:
Die Leber leidet
Das Problem: Softdrinks und gesüßte Säfte liefern riesige Mengen Fruktose, die die Leber verfetten und Entzündungen im ganzen Körper fördern.
Die Lösung: Wasser und Tee.
KONKRET
Trinken Sie Wasser. Ein Glas Cola ist Süßigkeit, kein Getränk.
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Zu viel Sitzen:
Lymphstau
Das Problem: Wer den ganzen Tag sitzt, bremst sein Lymphsystem aus, das für den Abtransport von Giftstoffen und Abfall zuständig ist. "Sitzen ist das neue Rauchen".
Die Lösung: Aufstehen.
KONKRET
Stehen Sie jede Stunde für 5 Minuten auf. Wippen Sie beim Zähneputzen auf den Zehenspitzen, um die "Muskelpumpe" zu aktivieren.
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Pestizide ignorieren:
Chemikalien-Cocktail
Das Problem: Konventionelles Obst und Gemüse ist oft mit Pestiziden belastet, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein (z.B. Glyphosat).
Die Lösung: Bio oder waschen.
KONKRET
Kaufen Sie zumindest bei der "Dirty Dozen" (Erdbeeren, Spinat, Äpfel, Trauben) Bio-Qualität. Waschen Sie konventionelles Gemüse gründlich mit Natron-Wasser.
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Zähne vernachlässigen:
Entzündungsherd
Das Problem: Chronische Entzündungen im Mund (Parodontitis) belasten das Immunsystem dauerhaft. Ein permanent aktiviertes Immunsystem kann Fehler bei der Krebsabwehr machen.
Die Lösung: Mundhygiene.
KONKRET
Nutzen Sie Zahnseide und gehen Sie zur professionellen Zahnreinigung. Gesunde Zähne entlasten das Immunsystem.
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Zu wenig Schlaf:
Reparatur fällt aus
Das Problem: Wer dauerhaft zu kurz schläft, nimmt dem Körper die Zeit, DNA-Schäden zu reparieren, die tagsüber entstanden sind. Das Krebsrisiko steigt.
Die Lösung: Priorität Schlaf.
KONKRET
Schlaf ist keine Zeitverschwendung, sondern Krebsvorsorge. Sorgen Sie für 7-8 Stunden Dunkelheit und Ruhe.
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Spätes Essen:
Stoffwechsel-Stress
Das Problem: Wer kurz vor dem Schlafen schwer isst, hält den Insulinspiegel hoch und verhindert die Ausschüttung von Melatonin und Wachstumshormonen. Die zelluläre Müllabfuhr (Autophagie) kann nicht starten.
Die Lösung: Essenspause.
KONKRET
Essen Sie 3 Stunden vor dem Bett nichts mehr. Der Körper braucht die Nacht zur Reparatur, nicht zur Verdauung.
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Resignation:
"Es ist eh alles vererbt"
Das Problem: Viele glauben, Krebs sei reines Schicksal. Die Epigenetik zeigt aber: Wir können Gene an- und abschalten. Nur 5-10% aller Krebsarten sind rein genetisch bedingt.
Die Lösung: Verantwortung übernehmen.
KONKRET
Sie haben es in der Hand. Ihr Lebensstil entscheidet maßgeblich mit. Fangen Sie heute an, Ihrem Körper Gutes zu tun.