v9.12

Laune verbessern (Kinder)

Dr. Constanze Lohse
über Nahrung für die Seele und
emotionales Gleichgewicht

Dr. Constanze Lohse ist Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg, spezialisiert auf Prävention, und bekannt als TV-Ärztin und Buchautorin. Sie erklärt, warum ein gesunder Darm für gute Laune sorgt und wie Sie Wutanfälle durch stabilen Blutzucker vermeiden können.
Ein hungriges Kind ist ein wütendes Kind ('hangry'). Der kürzeste Weg zu besserer Laune führt nicht über Schokolade, sondern über einen stabilen Blutzucker und echte Zuwendung.
1
Blutzucker stabilisieren: "Hangry" vermeiden
Warum: Wenn der Blutzucker abstürzt, schüttet der Körper Stresshormone (Adrenalin, Cortisol) aus. Das führt zu Reizbarkeit und Wutanfällen. Zucker verstärkt dieses Auf und Ab.
Wie: Komplexe Kohlenhydrate statt Süßkram.
KONKRET
Geben Sie Vollkornbrot, Haferflocken oder Nüsse statt Weißbrot oder Kekse. Diese halten satt und die Laune stabil.
2
Tryptophan: Baustoff für Glückshormone
Warum: Tryptophan ist eine Aminosäure, aus der der Körper das "Glückshormon" Serotonin baut. Ein Mangel kann die Stimmung drücken.
Wie: Bananen, Kakao, Hafer, Milch.
KONKRET
Ein warmes Porridge mit Banane und etwas ungesüßtem Kakao ist ein echtes "Happy Meal".
3
Omega-3: Gehirn in Balance
Warum: Omega-3-Fettsäuren sind entscheidend für die Nervenfunktion. Studien zeigen, dass sie Stimmungsschwankungen und Aggressivität bei Kindern mindern können.
Wie: Walnüsse, Leinöl, fetter Fisch.
KONKRET
Mischen Sie täglich einen Teelöffel Leinöl in den Joghurt oder geben Sie eine Handvoll Walnüsse als Snack.
4
Magnesium: Nerven beruhigen
Warum: Magnesium ist das "Anti-Stress-Mineral". Es entspannt die Muskeln und das Nervensystem. Ein Mangel macht dünnhäutig und reizbar.
Wie: Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte.
KONKRET
Ein Müsli mit Sonnenblumenkernen und Haferflocken ist ein guter Magnesium-Start in den Tag.
5
Darmgesundheit: Happy Gut = Happy Child
Warum: 90% des Serotonins (Glückshormon) werden im Darm gebildet. Eine gesunde Darmflora beeinflusst die Stimmung direkt ("Bauchgefühl").
Wie: Probiotika (Joghurt) und Ballaststoffe.
KONKRET
Bieten Sie täglich Naturjoghurt an. Vermeiden Sie zu viel Zucker, da er die schlechten Bakterien füttert.
6
Wasser trinken: Den Kopf klären
Warum: Dehydrierung führt zu Kopfschmerzen, Müdigkeit und schlechter Laune. Kinder vergessen oft das Trinken.
Wie: Wasser immer griffbereit.
KONKRET
Wenn das Kind quengelig wird: Erst mal ein Glas Wasser anbieten. Oft hebt sich die Laune danach von selbst.
7
B-Vitamine: Starke Nerven
Warum: Vitamin B6 und B12 sind essenziell für die Nervenfunktion und die Psyche. Ein Mangel macht reizbar.
Wie: Vollkorn, Milchprodukte, Eier, Fleisch.
KONKRET
Ein Käsebrot aus Vollkorn ist die perfekte Nervennahrung.
8
Vitamin D: Das Sonnen-Vitamin
Warum: Vitamin-D-Mangel (im Winter häufig) drückt auf die Stimmung ("Winterblues").
Wie: Rausgehen, Fisch oder Supplemente.
KONKRET
Besprechen Sie mit dem Kinderarzt, ob Vitamin-D-Tropfen im Winter sinnvoll sind. Nutzen Sie jeden Sonnenstrahl.
9
Buntes Essen: Auge isst mit
Warum: Psychologisch gesehen heben bunte Farben die Stimmung. Ein grauer Brei macht keine Freude.
Wie: Rotes, Gelbes, Grünes kombinieren.
KONKRET
Legen Sie ein Gesicht aus Gemüse aufs Brot. Nutzen Sie bunte Teller. Das macht Spaß und Vorfreude.
10
Soul Food: Gesundes Lieblingsessen
Warum: Essen soll Genuss sein. Ein Lieblingsessen tröstet und macht glücklich. Es muss nicht immer "super gesund" sein, aber man kann es aufwerten.
Wie: Kompromisse finden.
KONKRET
Wenn das Kind Nudeln liebt: Machen Sie eine leckere Tomatensoße mit viel püriertem Gemüse dazu. Das ist Soul Food mit Vitaminen.
1
Bewegung: Endorphine tanken
Warum: Sport und Toben setzen Glückshormone (Endorphine) frei und bauen Stresshormone ab. Ein ausgepowertes Kind ist ein ausgeglichenes Kind.
Wie: Täglich raus und rennen.
KONKRET
Gehen Sie auf den Spielplatz, spielen Sie Fangen oder Fußball. 30 Minuten reichen oft schon.
2
Schlaf: Müde macht mürrisch
Warum: Schlafmangel ist der Launenkiller Nummer 1. Das Gehirn kann Emotionen schlechter regulieren.
Wie: Früh ins Bett.
KONKRET
Achten Sie auf feste Schlafzeiten. Wenn das Kind morgens geweckt werden muss, geht es zu spät ins Bett.
3
Licht: Sonne macht froh
Warum: Tageslicht fördert die Serotonin-Produktion. Dunkle Zimmer drücken die Stimmung.
Wie: Rausgehen, auch bei Wolken.
KONKRET
Nutzen Sie die hellen Stunden des Tages für Aktivitäten.
4
Kuscheln: Oxytocin tanken
Warum: Körperkontakt senkt Stress und gibt Sicherheit. Ein Kind, das sich geborgen fühlt, ist fröhlicher.
Wie: Umarmen, Knuddeln, Massieren.
KONKRET
Nehmen Sie sich Zeit für körperliche Nähe, besonders wenn das Kind quengelig ist (statt zu schimpfen).
5
Zuhören: Gefühle ernst nehmen
Warum: Frust entsteht oft, weil Kinder sich nicht verstanden fühlen. Validierung ("Ich sehe, dass du wütend bist") beruhigt.
Wie: Auf Augenhöhe gehen.
KONKRET
Spiegeln Sie die Gefühle des Kindes, statt sie wegzureden ("Ist doch nicht so schlimm").
6
Kreativität: Flow erleben
Warum: Malen, Basteln oder Bauen kann in einen meditativen Zustand ("Flow") führen, der sehr zufrieden macht.
Wie: Material bereitstellen, nicht bewerten.
KONKRET
Legen Sie Stifte und Papier hin. Lassen Sie das Kind einfach machen, ohne das Ergebnis zu korrigieren.
7
Natur: Stresspuffer
Warum: Wald und Wiese beruhigen das Nervensystem nachweislich.
Wie: Ab ins Grüne.
KONKRET
Ein Spaziergang im Wald senkt den Stresspegel oft in Minuten.
8
Musik & Tanz: Sofort-Hilfe
Warum: Musik beeinflusst Emotionen direkt. Tanzen baut Spannung ab.
Wie: Lieblingslied laut anmachen.
KONKRET
Wenn die Stimmung kippt: "Stopp-Tanz" oder wildes Hüpfen zur Musik.
9
Struktur: Sicherheit
Warum: Kinder brauchen Vorhersehbarkeit. Chaos macht unsicher und launisch.
Wie: Feste Zeiten für Essen und Schlaf.
KONKRET
Halten Sie Rituale ein, das gibt dem Kind einen sicheren Rahmen.
10
Lachen: Humor hilft
Warum: Lachen baut Stress ab. Man kann nicht gleichzeitig wütend sein und lachen.
Wie: Quatsch machen.
KONKRET
Erzählen Sie Witze oder schneiden Sie Grimassen, um eine angespannte Situation zu lösen.
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Zucker als Trost: Sucht-Gefahr
Das Problem: "Du hast dir wehgetan, hier ist ein Bonbon." Das Kind lernt: Essen löst emotionale Probleme.
Die Lösung: Emotionale Zuwendung.
KONKRET
Trösten Sie mit Worten und Umarmungen, nicht mit Kalorien.
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Hunger übersehen: "Hangry"
Das Problem: Eltern denken, das Kind sei "zickig", dabei hat es nur Unterzucker.
Die Lösung: Snack anbieten.
KONKRET
Bevor Sie schimpfen, prüfen Sie: Wann hat das Kind zuletzt gegessen?
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Medien als Babysitter: Reizüberflutung
Das Problem: Tablet und TV stellen Kinder ruhig, aber danach sind sie oft überreizt und aggressiv.
Die Lösung: Begrenzen.
KONKRET
Dosieren Sie Medienzeit sparsam.
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Gefühle verbieten: "Hör auf zu heulen"
Das Problem: Wenn negative Gefühle unterdrückt werden müssen, staut sich Frust an, der später explodiert.
Die Lösung: Zulassen.
KONKRET
Alle Gefühle sind okay, nur nicht jedes Verhalten (Hauen).
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Eigener Stress: Spiegelneuronen
Das Problem: Wenn Eltern gestresst sind, sind es die Kinder auch. Kinder spiegeln die Laune der Eltern.
Die Lösung: Selbstfürsorge.
KONKRET
Sorgen Sie auch für Ihre eigene Entspannung.
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Dehydrierung: Schlechte Laune
Das Problem: Zu wenig Wasser führt zu Kopfschmerzen und Reizbarkeit.
Die Lösung: Wasser anbieten.
KONKRET
Erinnern Sie das Kind regelmäßig ans Trinken.
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Zu viele Termine: Freizeitstress
Das Problem: Ein übervoller Terminkalender (Musik, Sport, Englisch) überfordert Kinder.
Die Lösung: Langeweile.
KONKRET
Lassen Sie Lücken im Kalender für freies Spiel.
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Lichtmangel: Winterblues
Das Problem: Kinder, die nur drinnen sind, bekommen zu wenig Tageslicht. Das drückt die Stimmung.
Die Lösung: Rausgehen.
KONKRET
Täglich mindestens eine Stunde ans Tageslicht.
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Kein Frühstück: Schlechter Start
Das Problem: Ohne Energie am Morgen ist schlechte Laune vorprogrammiert.
Die Lösung: Kleinigkeit essen.
KONKRET
Wenigstens eine Banane oder ein Glas Milch vor der Kita/Schule.
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Perfektionismus: Druck
Das Problem: Wenn Eltern erwarten, dass das Kind immer "brav" und fröhlich ist, entsteht Druck.
Die Lösung: Gelassenheit.
KONKRET
Akzeptieren Sie auch mal einen schlechten Tag.