v6.3

Leber entlasten

Dr. Constanze Lohse
über die richtige Ernährung
für eine gesunde Leber

Dr. Lohse ist praktizierende Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg und auf Prävention spezialisiert. Sie ist als TV-Ärztin und Buchautorin bekannt. Sie erklärt, wie wir das wichtigste Entgiftungsorgan des Körpers unterstützen und eine Fettleber verhindern können.
Die Leber leidet still. Sie tut nicht weh, sie wird nur müde. Diese 20 Regeln helfen, das Organ zu reinigen, Fett abzubauen und die volle Energie zurückzugewinnen.
1
Bittere Medizin:
Warum die Leber Chicorée liebt
Warum: Bitterstoffe sind der "Startknopf" für die Verdauung. Sobald die Zunge "bitter" schmeckt, beginnt die Leber, Galle zu produzieren. Galle ist notwendig, um Fette zu verdauen und Giftstoffe aus der Leber in den Darm zu spülen. Ohne Bitterstoffe wird die Leber träge.
Wie: Integrieren Sie Chicorée, Radicchio, Rucola, Artischocken oder Grapefruit in Ihren Speiseplan.
KONKRET
Trinken Sie nach einem schweren Essen keinen süßen Schnaps, sondern einen Wermut-Tee oder essen Sie ein paar Blätter Radicchio als Vorspeise. Das wirkt Wunder gegen Völlegefühl.
2
Die große Spülung:
Wasser löst Giftstoffe
Warum: Die Leber filtert Schadstoffe aus dem Blut und macht sie wasserlöslich, damit die Niere sie ausscheiden kann. Wenn Sie zu wenig trinken, können diese Stoffe nicht abtransportiert werden. Es kommt zum "Rückstau" im Entgiftungssystem.
Wie: Trinken Sie mindestens 2 bis 3 Liter stilles Wasser oder Kräutertee am Tag.
KONKRET
Starten Sie den Tag mit einem großen Glas warmem Wasser mit dem Saft einer halben Zitrone. Das regt Leber und Darm am Morgen sanft an und füllt die Flüssigkeitsspeicher.
3
Super-Kohl:
Brokkoli hilft beim Entgiften
Warum: Kreuzblütler wie Brokkoli, Blumenkohl und Rosenkohl enthalten Senföle (Sulforaphan). Diese Stoffe aktivieren gezielt die "Phase 2" der Leberentgiftung. In dieser Phase werden gefährliche Gifte so umgebaut, dass sie den Körper verlassen können.
Wie: Essen Sie mehrmals pro Woche Kohlgemüse, am besten nur leicht gedünstet.
KONKRET
Brokkoli-Sprossen sind der Turbo: Sie enthalten bis zu 100-mal mehr Wirkstoff als der ausgewachsene Kohl. Ein Löffel Sprossen am Tag genügt für den vollen Effekt.
4
Scharfe Reinigung:
Knoblauch aktiviert Enzyme
Warum: Knoblauch und Zwiebeln enthalten viel Schwefel (Allicin). Schwefel ist ein wichtiger Baustein für Glutathion, das stärkste körpereigene Entgiftungsmittel der Leber. Ohne Schwefel kann die Leber keine Schwermetalle binden.
Wie: Nutzen Sie frischen Knoblauch und Zwiebeln großzügig beim Kochen.
KONKRET
Lassen Sie den gehackten Knoblauch 10 Minuten an der Luft liegen, bevor Sie ihn erhitzen. Erst durch den Kontakt mit Sauerstoff entsteht das heilsame Allicin in voller Stärke.
5
Kaffee ist gesund:
Schutz vor Vernarbung
Warum: Gute Nachrichten für Kaffeetrinker: Zahlreiche Studien belegen, dass Kaffee (auch entkoffeiniert) die Leber schützt. Er senkt das Risiko für Leberzirrhose und Leberkrebs, indem er die Ansammlung von Fett und Bindegewebe in der Leber bremst.
Wie: 2 bis 3 Tassen schwarzer Kaffee (ohne Zucker!) am Tag sind ideal.
KONKRET
Trinken Sie den Kaffee am besten ohne Milch und Zucker. Zucker belastet die Leber wieder. Ein Schuss Sahne oder Pflanzenmilch ist okay.
6
Leber-Gewürz:
Kurkuma fördert Gallenfluss
Warum: Kurkuma regt die Leberzellen an, mehr Gallensäure zu produzieren. Das hilft nicht nur bei der Fettverdauung, sondern spült auch Giftstoffe aus der Leber heraus. Zudem wirkt es stark entzündungshemmend.
Wie: Würzen Sie Curries, Reis oder Gemüsepfannen mit Kurkuma.
KONKRET
Trinken Sie ab und zu "Goldene Milch" (Pflanzenmilch, Kurkuma, Ingwer, Zimt). Wichtig: Immer eine Prise Pfeffer und etwas Fett dazu, damit das Kurkuma aufgenommen wird.
7
Rote Power:
Rote Bete baut Fett ab
Warum: Rote Bete enthält Betain. Dieser Stoff hilft der Leber, Fette abzubauen und verhindert, dass sich neues Fett in der Leber ansammelt. Sie ist ein natürliches Mittel gegen Fettleber.
Wie: Essen Sie Rote Bete roh geraspelt im Salat, gekocht als Gemüse oder trinken Sie den Saft.
KONKRET
Ein Glas Rote-Bete-Saft (gemischt mit Apfelsaft für den Geschmack) ist eine tolle Leber-Kur. Achten Sie auf Bio-Qualität wegen des Nitratgehalts.
8
Gift-Stopper:
Walnüsse binden Ammoniak
Warum: Walnüsse enthalten viel Arginin (eine Aminosäure) und Glutathion. Diese Stoffe helfen der Leber, Ammoniak zu entgiften – ein schädliches Abfallprodukt, das beim Eiweißabbau entsteht. Zudem liefern sie gesunde Omega-3-Fette.
Wie: Eine Handvoll Walnüsse (ca. 5-7 Stück) am Tag.
KONKRET
Kauen Sie die Nüsse sehr gründlich, bis sie fast flüssig sind. So kann der Körper die wertvollen Inhaltsstoffe am besten aufnehmen.
9
Fettbremse:
Grüner Tee reduziert Speicher
Warum: Grüner Tee ist reich an Catechinen (EGCG). Diese Pflanzenstoffe verbessern den Fettstoffwechsel und verhindern, dass die Leber zu viel Fett einlagert. Sie wirken direkt gegen die nicht-alkoholische Fettleber.
Wie: 2-3 Tassen hochwertiger grüner Tee über den Tag verteilt.
KONKRET
Lassen Sie das Teewasser auf 80 Grad abkühlen, bevor Sie aufgießen. Zu heißes Wasser macht den Tee bitter und zerstört einen Teil der gesunden Catechine.
10
Haferflocken:
Ballaststoffe saugen Gift auf
Warum: Hafer enthält Beta-Glucan, einen speziellen Ballaststoff. Im Darm bindet dieser Stoff Gallensäure und Gifte und transportiert sie aus dem Körper. Die Leber muss dann neue Gallensäure aus Cholesterin produzieren – das reinigt und senkt die Blutfettwerte.
Wie: Essen Sie Haferflocken zum Frühstück, z.B. als Porridge.
KONKRET
Kochen Sie die Flocken kurz auf oder weichen Sie sie über Nacht ein ("Overnight Oats"). Das macht sie bekömmlicher und die Nährstoffe sind besser verfügbar.
1
Der Leberwickel:
Wellness für das Organ
Warum: Die Leber liebt Wärme. Wärme weitet die Blutgefäße, verbessert die Durchblutung des Organs und beschleunigt so die Entgiftungsprozesse. Ein Leberwickel ist die effektivste physikalische Maßnahme zur Unterstützung.
Wie: Legen Sie ein feuchtes, warmes Handtuch auf den rechten Oberbauch, darüber eine Wärmflasche und ein trockenes Tuch. Ruhen Sie so 30 Minuten.
KONKRET
Machen Sie den Leberwickel am besten mittags (da ist die Leberzeit nach der Organuhr) oder abends vor dem Einschlafen. Es wirkt sehr entspannend.
2
Schlaf als Entgiftung:
Die Leber arbeitet nachts
Warum: Nach der traditionellen Organuhr ist die "Leberzeit" zwischen 1 und 3 Uhr nachts. In dieser Zeit läuft die Entgiftung auf Hochtouren. Wer da noch wach ist oder Alkohol trinkt, stört die Regeneration massiv.
Wie: Gehen Sie vor Mitternacht schlafen.
KONKRET
Wenn Sie regelmäßig zwischen 1 und 3 Uhr aufwachen ("Wolfsstunde"), kann das ein Hinweis auf eine überlastete Leber sein. Versuchen Sie, abends leichter zu essen.
3
Fastenpausen:
Zeit zum Aufräumen
Warum: Solange wir essen, ist die Leber mit Stoffwechsel und Speicherung beschäftigt. Erst wenn der Magen leer ist, kann sie sich um die Entgiftung und Reparatur kümmern. Intervallfasten ist Urlaub für die Leber.
Wie: Essen Sie nur in einem Fenster von 8-10 Stunden, den Rest der Zeit fasten Sie (16:8 Methode).
KONKRET
Essen Sie Ihr Abendessen so früh wie möglich (z.B. 18 Uhr) und dann nichts mehr bis zum Frühstück. Wasser und Kräutertee sind in der Pause erlaubt.
4
Bauchfett verlieren:
Die Fabrik schließen
Warum: Bauchfett (Viszeralfett) gibt Fettsäuren direkt an die Leber ab. Das fördert die Fettleber extrem. Wenn Sie am Bauch abnehmen, atmet die Leber als erstes auf.
Wie: Bewegung und Zuckerverzicht sind der Schlüssel.
KONKRET
Messen Sie Ihren Bauchumfang. Bei Frauen sollte er unter 80 cm, bei Männern unter 94 cm liegen. Jeder Zentimeter weniger entlastet die Leber direkt.
5
Stress reduzieren:
Cortisol blockiert Entgiftung
Warum: Bei Stress wird Energie für die Muskeln bereitgestellt ("Kampf oder Flucht"). Verdauung und Entgiftung werden vom Körper als "unwichtig" eingestuft und heruntergefahren. Chronischer Stress führt zu einer trägen Leber.
Wie: Sorgen Sie für Ruhephasen.
KONKRET
Das Sprichwort "Ihm ist eine Laus über die Leber gelaufen" kommt nicht von ungefähr. Ärger schlägt auf die Leber. Versuchen Sie Yoga oder Meditation.
6
Chemikalien meiden:
Weniger Arbeit für den Filter
Warum: Alles, was wir einatmen, essen oder auf die Haut schmieren, muss durch die Leber. Pestizide, Weichmacher in Plastik oder Chemie in Kosmetik belasten das Organ.
Wie: Nutzen Sie Glas statt Plastik und Naturkosmetik.
KONKRET
Trinken Sie nicht aus Plastikflaschen, die in der Sonne standen (Weichmacher lösen sich). Waschen Sie neues Obst und Gemüse immer gründlich ab.
7
Trockenbürsten:
Die Lymphe aktivieren
Warum: Die Haut ist unser zweitgrößtes Entgiftungsorgan. Trockenbürsten regt die Durchblutung und den Lymphfluss an. Das entlastet die Leber, da Abfallstoffe schneller abtransportiert werden.
Wie: Bürsten Sie die trockene Haut vor dem Duschen.
KONKRET
Streichen Sie mit einer Naturborsten-Bürste immer von den Füßen und Händen herzwaerts. Das dauert nur 2 Minuten und macht wach.
8
Sauna & Schwitzen:
Detox über die Haut
Warum: Wenn wir schwitzen, scheiden wir Giftstoffe über die Haut aus. Das nimmt der Leber Arbeit ab. Zudem verbessert Sauna die Durchblutung im ganzen Körper.
Wie: Gehen Sie regelmäßig in die Sauna oder machen Sie Sport.
KONKRET
Trinken Sie nach der Sauna besonders viel Wasser, um die gelösten Stoffe auszuschwemmen.
9
Medikamente prüfen:
Die Dosis macht das Gift
Warum: Fast alle Medikamente werden über die Leber abgebaut. Schmerzmittel (wie Paracetamol) können bei Überdosierung sogar zu Leberversagen führen. Auch die Pille belastet die Leber.
Wie: Nehmen Sie Medikamente nur, wenn nötig.
KONKRET
Versuchen Sie bei leichten Kopfschmerzen erst Wasser, frische Luft oder Pfefferminzöl auf den Schläfen, bevor Sie zur Tablette greifen.
10
Tief Atmen:
Die Leber-Massage
Warum: Die Leber liegt direkt unter dem Zwerchfell. Bei tiefer Bauchatmung bewegt sich das Zwerchfell auf und ab und massiert die Leber sanft. Das fördert den Blutfluss und die Gallensekretion.
Wie: Atmen Sie mehrmals täglich tief in den Bauch.
KONKRET
Legen Sie eine Hand auf den Bauch. Atmen Sie so tief ein, dass sich die Hand hebt. Das versorgt die Leber auch mit extra viel Sauerstoff.
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Der Frucht-Fehler:
Warum Obstsaft Leber verfettet
Das Problem: Fruchtzucker (Fruktose) wird oft als gesund angesehen. Aber: Die Leber verarbeitet Fruktose fast genauso wie Alkohol. Ein Zuviel an Fruchtzucker (Säfte, Smoothies) wird sofort in Leberfett umgewandelt.
Die Lösung: Essen Sie Obst, trinken Sie es nicht.
KONKRET
Ein Glas O-Saft enthält den Zucker von 4 Orangen – ohne die bremsenden Ballaststoffe. Das ist eine Zuckerbombe für die Leber. Essen Sie lieber die ganze Orange.
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Alkohol-Gewohnheit:
Das tägliche Gläschen
Das Problem: Die Leber kann Alkohol abbauen, aber sie braucht Pausen. Wer jeden Tag (auch wenig) trinkt, gibt der Leber keine Chance zur Regeneration. Zellen sterben ab, Fett wird eingelagert.
Die Lösung: Mindestens 3-4 alkoholfreie Tage pro Woche.
KONKRET
Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Ist das Feierabendbier Gewohnheit? Ersetzen Sie es durch alkoholfreies Bier oder Tee.
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Spätes Essen:
Keine Nachtschicht für die Leber
Das Problem: Wer spät abends isst, zwingt die Leber zur Verdauungsarbeit, wenn sie eigentlich entgiften sollte. Die Energie wird nicht verbraucht und direkt als Fett in der Leber gespeichert.
Die Lösung: 3-4 Stunden vor dem Bett nichts essen.
KONKRET
Nach 20 Uhr sollte die Küche geschlossen sein. Das entlastet die Leber und verbessert den Schlaf enorm.
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Snacken:
Dauerstress durch Insulin
Das Problem: Jedes Mal, wenn wir essen, schüttet der Körper Insulin aus. Insulin stoppt die Fettverbrennung in der Leber. Wer ständig snackt, hält seine Leber im "Fettspeicher-Modus".
Die Lösung: Essen Sie nur 3x am Tag.
KONKRET
Verzichten Sie auf den Keks zum Kaffee oder den Apfel zwischendurch. Lassen Sie der Leber 4-5 Stunden Zeit zwischen den Mahlzeiten.
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Crash-Diäten:
Giftflut durch Fettabbau
Das Problem: Im Körperfett sind oft Umweltgifte gespeichert. Wer extrem schnell abnimmt (Radikaldiät), setzt diese Gifte schlagartig frei. Die Leber wird von dieser Giftflut überrollt.
Die Lösung: Langsam und stetig abnehmen.
KONKRET
Trinken Sie während einer Diät besonders viel und nutzen Sie Zeolith oder Heilerde, um Giftstoffe im Darm zu binden, damit sie nicht zurück zur Leber gelangen.
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Versteckte Fette:
Der Wurst-Faktor
Das Problem: Viele denken bei Leberproblemen nur an Alkohol. Aber gesättigte Fette aus Wurst, Käse und Fast Food führen genauso zur Fettleber. Die Leber lagert das überschüssige Fett ein.
Die Lösung: Weniger tierische Fette.
KONKRET
Ersetzen Sie Salamibrot durch Vollkornbrot mit Avocado oder Hummus. Das liefert gesunde Fette, die die Leber verarbeiten kann.
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Zu viele Pillen:
Nahrungsergänzung mit Maß
Das Problem: Hochdosierte Vitamine (besonders Vitamin A), Proteinpulver oder exotische Kräuterextrakte müssen von der Leber verstoffwechselt werden. Ein "Zuviel des Guten" kann toxisch wirken.
Die Lösung: Erst Blutbild, dann Supplemente.
KONKRET
Nehmen Sie keine "Leber-Detox-Pillen" aus dem Internet ohne ärztlichen Rat. Oft schaden Verunreinigungen mehr, als die Inhaltsstoffe nützen.
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Bewegungsmangel:
Muskeln entlasten Leber
Das Problem: Wenn wir uns nicht bewegen, bleiben Zucker und Fette im Blut. Die Leber muss sie dann "notgedrungen" als Fett einlagern. Muskeln verbrennen diese Energie, bevor sie die Leber belasten.
Die Lösung: Jeder Schritt zählt.
KONKRET
Ein Spaziergang nach dem Essen ist besser als jeder Verdauungsschnaps. Er senkt den Blutzuckerspiegel sofort und verhindert Fetteinlagerung.
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Transfette essen:
Härtungsmittel als Gift
Das Problem: Transfette (in Frittiertem, Blätterteig, Chips) sind für den Körper unnatürlich. Sie fördern Entzündungen in der Leber massiv und führen schneller zur Fettleber als Alkohol.
Die Lösung: Kochen Sie frisch.
KONKRET
Meiden Sie Produkte, auf denen "gehärtete Fette" oder "teilweise gehärtete Fette" steht. Nutzen Sie stattdessen Olivenöl oder Rapsöl.
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Ignoranz:
Die Leber tut nicht weh
Das Problem: Die Leber hat keine Schmerzrezeptoren. Eine Fettleber spürt man nicht. Das einzige Symptom ist oft Müdigkeit ("Der Schmerz der Leber ist die Müdigkeit"). Viele ignorieren das, bis es zu spät ist.
Die Lösung: Leberwerte checken lassen.
KONKRET
Lassen Sie beim Hausarzt regelmäßig die Leberwerte (GPT, GOT, GGT) prüfen. Wenn diese erhöht sind, handeln Sie sofort. Die Leber kann sich erholen, wenn man ihr die Chance gibt.