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Mediterrane Diät

Dr. Constanze Lohse
über die wohl gesündeste
Ernährung der Welt

Dr. Constanze Lohse ist Allgemeinärztin in Norderstedt bei Hamburg, spezialisiert auf Prävention, und bekannt als TV-Ärztin und Buchautorin. Sie erklärt, warum die Mittelmeer-Küche keine Diät, sondern eine Lebensversicherung für Herz und Gefäße ist.
Die Menschen im Mittelmeerraum zählen keine Kalorien. Sie essen frisch, bunt, in Gemeinschaft und mit viel gutem Öl. Das ist das einfache Geheimnis für ein langes Leben ohne Verzicht.
1
Olivenöl ist flüssiges Gold: Die Basis von allem
Warum: Hochwertiges Olivenöl enthält Ölsäure (einfach ungesättigt) und Polyphenole. Diese wirken stark entzündungshemmend und halten die Blutgefäße elastisch. Es ist das Herzstück der Mittelmeer-Diät.
Wie: Täglich 2-3 Esslöffel "Extra Vergine".
KONKRET
Nutzen Sie Olivenöl nicht nur kalt für Salate, sondern auch zum sanften Dünsten von Gemüse. Es schmeckt besser und macht das Gemüse bioverfügbarer (Vitamine E, D, K, A).
2
Gemüse in Massen: Bunt und saisonal
Warum: Im Mittelmeerraum ist Gemüse der Hauptdarsteller, nicht die Beilage. Es liefert Ballaststoffe für den Darm und sekundäre Pflanzenstoffe, die als Antioxidantien wirken.
Wie: Mindestens die Hälfte des Tellers muss Gemüse sein.
KONKRET
Starten Sie wie in Italien mit "Antipasti" (eingelegtes oder gegrilltes Gemüse) oder essen Sie einen großen Salat vorweg. Kochen Sie Tomatensoßen selbst, statt sie zu kaufen.
3
Fetter Seefisch: Omega-3 für Herz & Hirn
Warum: Fisch liefert hochwertiges Eiweiß und lebenswichtige Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA). Diese senken Blutfette, schützen vor Herzinfarkt und halten das Gehirn fit.
Wie: 2-3 Mal pro Woche Fisch.
KONKRET
Wechseln Sie ab zwischen fettem Fisch (Lachs, Makrele, Sardine) und magerem Fisch (Kabeljau, Dorade). Auch Meeresfrüchte wie Garnelen sind erlaubt und gesund.
4
Hülsenfrüchte: Das Fleisch des armen Mannes
Warum: Kichererbsen, Linsen und Bohnen sind die wichtigste pflanzliche Proteinquelle im Mittelmeer. Sie machen extrem satt, stabilisieren den Blutzucker und senken das Cholesterin.
Wie: Mehrmals pro Woche statt Fleisch.
KONKRET
Nutzen Sie Kichererbsen für Hummus oder im Salat. Kochen Sie Linsensuppe oder Bohneneintopf. Das ist günstig, lecker und unglaublich gesund.
5
Nüsse & Kerne: Der gesunde Snack
Warum: Walnüsse und Mandeln sind voll mit Vitamin E, Magnesium und gesunden Fetten. Studien zeigen: Wer täglich Nüsse isst, lebt länger und hat seltener Herzprobleme.
Wie: Eine Handvoll (ca. 30g) täglich.
KONKRET
Streuen Sie Pinienkerne über den Salat oder essen Sie Walnüsse zum Frühstück. Wichtig: Immer ungesalzen und ungeröstet kaufen, um die Inhaltsstoffe zu schonen.
6
Vollkorn statt Weißmehl: Das Korn bleibt ganz
Warum: Traditionell wurde Getreide im Mittelmeerraum nur grob gemahlen oder als ganzes Korn gegessen. Das liefert Ballaststoffe und B-Vitamine und hält länger satt als helles Baguette.
Wie: Vollkornnudeln, Naturreis, Bulgur.
KONKRET
Wechseln Sie zu Vollkornbrot. Wenn Sie Pasta essen, kochen Sie sie "al dente" (bissfest) – das senkt den glykämischen Index und hält den Blutzucker stabiler.
7
Obst als Dessert: Süßes aus der Natur
Warum: Im Süden gibt es nach dem Essen selten Torte, sondern frisches Obst. Das liefert Vitamine statt leerer Kalorien und befriedigt den Wunsch nach "etwas Süßem" auf gesunde Weise.
Wie: Saisonales Obst nach der Mahlzeit.
KONKRET
Schneiden Sie eine Orange, Melone oder Pfirsiche auf. Die Fruktose im ganzen Obst (mit Fasern) ist für den Körper viel besser zu verarbeiten als Zucker im Kuchen.
8
Weniger rotes Fleisch: Sonntagsbraten-Prinzip
Warum: Rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) enthält gesättigte Fettsäuren und Stoffe, die Entzündungen fördern können. Im Mittelmeer wird es traditionell selten gegessen.
Wie: Maximal 1-2 Mal pro Monat rotes Fleisch.
KONKRET
Nutzen Sie Fleisch eher als Gewürz (z.B. wenig Speck im Eintopf) statt als riesiges Steak. Bevorzugen Sie Geflügel, wenn es Fleisch sein muss.
9
Kräuter statt Salz: Geschmacksexplosion
Warum: Zu viel Salz erhöht den Blutdruck. Kräuter wie Rosmarin, Oregano, Thymian und Basilikum liefern Antioxidantien und machen das Essen aromatisch, ohne das Herz zu belasten.
Wie: Großzügig würzen, sparsam salzen.
KONKRET
Legen Sie sich einen kleinen Kräutergarten (Fensterbank) an. Frische Kräuter enthalten die meisten ätherischen Öle. Knoblauch und Zwiebeln sind ebenfalls Pflicht!
10
Fermentierte Milchprodukte: Joghurt & Käse
Warum: Milch wird im Mittelmeerraum selten pur getrunken, aber als Käse (Feta, Parmesan) oder Joghurt genossen. Fermentation macht Milch bekömmlicher und liefert Probiotika.
Wie: In Maßen, als Geschmacksgeber.
KONKRET
Ein Stückchen echter Parmesan oder Feta über dem Gemüse reicht für den Geschmack. Wählen Sie traditionelle Produkte (Ziegen-/Schafskäse) statt Industrieware.
1
Gemeinsam essen: Soziale Bindung
Warum: Im Mittelmeer isst man nicht allein vor dem Fernseher. Gemeinsames Essen senkt Stress, man isst langsamer und genießt mehr. Soziale Bindungen sind ein Faktor für Langlebigkeit.
Wie: Mindestens eine Mahlzeit am Tag in Gesellschaft.
KONKRET
Verabreden Sie sich zum Essen mit der Familie oder Kollegen. Legen Sie Handys weg und reden Sie miteinander. Das ist Nahrung für die Seele.
2
Bewegung im Alltag: Spazieren statt Fitnessstudio
Warum: Die Menschen in den "Blue Zones" (Orte, wo Menschen alt werden) treiben keinen Hochleistungssport, sondern bewegen sich natürlich und ständig (Garten, Gehen, Handwerk).
Wie: Zu Fuß gehen, wo immer es geht.
KONKRET
Machen Sie nach dem Abendessen einen Verdauungsspaziergang ("Passeggiata"). Das senkt den Blutzucker und entspannt.
3
Mittagsruhe (Siesta): Stressabbau
Warum: Eine kurze Pause am Nachmittag senkt das Herzinfarktrisiko. Es geht um Entschleunigung und das Respektieren des natürlichen Biorhythmus.
Wie: 20 Minuten ruhen.
KONKRET
Auch wenn Sie nicht schlafen können: Setzen Sie sich für 15-20 Minuten ruhig hin, schließen Sie die Augen oder lesen Sie. Kein Handy!
4
Sonne tanken: Vitamin D natürlich
Warum: Das Leben am Mittelmeer findet draußen statt. Sonnenlicht sorgt für Vitamin D (wichtig für Knochen und Immunsystem) und gute Laune.
Wie: Täglich Zeit im Freien verbringen.
KONKRET
Gehen Sie auch im Winter jeden Tag mindestens 20 Minuten bei Tageslicht raus. Das stärkt die Abwehrkräfte.
5
Genuss statt Völlerei: Langsam essen
Warum: Die mediterrane Lebensart zelebriert das Essen. Wer genießt und langsam kaut, spürt die Sättigung früher und isst automatisch weniger.
Wie: Zeit nehmen für Mahlzeiten.
KONKRET
Schlingen Sie nicht im Stehen oder Gehen. Setzen Sie sich hin. Decken Sie den Tisch schön. Essen ist ein Fest, keine Nahrungsaufnahme.
6
Frisch kochen: Liebe zum Produkt
Warum: Die Basis ist immer: Was wächst hier? Fertiggerichte sind tabu. Wer selbst kocht, kontrolliert Salz, Fett und Qualität.
Wie: Einfache Gerichte aus Grundzutaten.
KONKRET
Es muss nicht kompliziert sein. Gedünstetes Gemüse mit Öl und Fisch dauert nur 15 Minuten. Kochen Sie auf Vorrat für 2 Tage.
7
Saisonal & Regional: Rhythmus der Natur
Warum: Gemüse, das reif geerntet wird, enthält die meisten Vitamine. Im Mittelmeer isst man, was die Jahreszeit bietet.
Wie: Einkaufen auf dem Markt.
KONKRET
Kaufen Sie keine Erdbeeren im Winter. Orientieren Sie sich am Saisonkalender. Das schmeckt intensiver und ist gesünder.
8
Wasser als Hauptgetränk: Keine Softdrinks
Warum: Zuckerhaltige Limonaden sind in der traditionellen Mittelmeer-Ernährung unbekannt. Wasser ist der Durstlöscher Nr. 1.
Wie: Wasser immer griffbereit haben.
KONKRET
Trinken Sie Wasser zum Wein (wenn Sie Wein trinken) und zum Kaffee. Stellen Sie immer eine Karaffe auf den Tisch.
9
Gelassenheit: Weniger "muss", mehr "kann"
Warum: Die mentale Einstellung ist entspannter. Man lebt nicht, um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben. Weniger Zeitdruck bedeutet weniger Stresshormone.
Wie: Prioritäten setzen.
KONKRET
Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Genießen Sie den Moment. "Dolce far niente" – das süße Nichtstun – darf auch mal sein.
10
Ausreichend Schlaf: Natürlicher Rhythmus
Warum: Wer tagsüber aktiv ist und gut isst, schläft nachts besser. Schlaf ist die Basis für ein langes, gesundes Leben.
Wie: Konstante Schlafenszeiten.
KONKRET
Gehen Sie nicht zu spät ins Bett. Nutzen Sie die Abendstunden für Gespräche, nicht für Fernsehen, um besser runterzufahren.
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Die "Pizza-Pasta-Falle": Zu viele Carbs
Das Problem: Viele verwechseln die mediterrane Diät mit der modernen italienischen Küche voller Weißmehl-Pasta und Pizza. Das Original besteht aber vor allem aus Gemüse.
Die Lösung: Gemüse als Hauptteil.
KONKRET
Essen Sie Nudeln nur als kleine Beilage ("Primo Piatto"), niemals als riesigen Hauptgang.
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Falsches Öl verwenden: Sonnenblumenöl
Das Problem: Sonnenblumen- oder Distelöl enthalten viel Omega-6, was Entzündungen fördert. Das ist nicht mediterran.
Die Lösung: Nur Olivenöl.
KONKRET
Nutzen Sie Olivenöl für fast alles. Es ist hitzestabiler als viele denken (bis 180 Grad).
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Zu viel Alkohol: "Wein ist gesund"
Das Problem: Ja, Rotwein enthält Polyphenole. Aber Alkohol ist ein Zellgift. Wer täglich eine halbe Flasche trinkt, schadet sich mehr als er nützt.
Die Lösung: Wenig oder gar nicht.
KONKRET
Ein kleines Glas (0,1l) zum Essen ist das Maximum. Traubensaft (in Maßen) oder Trauben liefern die gleichen Wirkstoffe ohne Alkohol.
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Alles frittieren: Fett ist nicht gleich Fett
Das Problem: Calamari fritti oder frittiertes Gemüse saugen sich mit Fett voll und werden oft in billigem Öl zubereitet. Das sind Kalorienbomben.
Die Lösung: Grillen oder Dünsten.
KONKRET
Bereiten Sie Fisch und Gemüse im Ofen oder in der Pfanne zu. Frittiertes sollte die absolute Ausnahme bleiben.
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Zu viel rotes Fleisch: Steak & Wurst
Das Problem: Wurst und fettes Fleisch gehören nicht zur täglichen Mittelmeer-Kost. Sie fördern Herzkrankheiten.
Die Lösung: Fisch und Geflügel.
KONKRET
Ersetzen Sie Hackfleisch durch Linsen oder zerkleinertes Hähnchen. Wurst sollte eine seltene Delikatesse sein.
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Portionsgrößen bei Nüssen ignorieren: Kalorienfalle
Das Problem: Nüsse sind gesund, aber haben viele Kalorien. Wer die ganze Tüte isst, nimmt zu.
Die Lösung: Eine Handvoll.
KONKRET
Beschränken Sie sich auf ca. 30g Nüsse pro Tag. Das reicht für die positiven Effekte.
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Fertigprodukte "Mediterraner Art": Mogelpackung
Das Problem: Tiefkühl-Paella oder Fertig-Tsatsiki sind oft voll mit Konservierungsstoffen, Zucker und schlechten Fetten.
Die Lösung: Selber machen.
KONKRET
Machen Sie Tsatsiki aus Joghurt, Gurke und Knoblauch selbst. Das dauert 5 Minuten und ist gesünder.
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Fisch vernachlässigen: Omega-3 fehlt
Das Problem: Viele essen nur das mediterrane Gemüse, aber keinen Fisch. Omega-3 ist aber der Kern des Herzschutzes.
Die Lösung: Fisch einplanen.
KONKRET
Wenn Sie keinen Fisch mögen, nehmen Sie unbedingt Algenöl (Supplement), um das Omega-3 zu bekommen.
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Weißbrot zum Tunken: Zuckerfalle
Das Problem: Das obligatorische Körbchen Weißbrot vor dem Essen treibt den Blutzucker hoch, noch bevor der gesunde Salat kommt.
Die Lösung: Weglassen oder Vollkorn.
KONKRET
Lassen Sie das Brot stehen. Warten Sie auf die Hauptspeise.
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Hektik beim Essen: Stress statt Genuss
Das Problem: Wer das gesunde Essen in 5 Minuten hinunterschlingt, profitiert kaum. Die Verdauung beginnt im Kopf und Mund.
Die Lösung: Zeit nehmen.
KONKRET
Essen Sie langsam. Genießen Sie jeden Bissen. Das ist der wahre mediterrane Geist.